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Kultur
17.08.2020
05.11.2020 14:48 Uhr

DAMPFLOK DER FURKA-BERGSTRECKE WIRD 2022 IN UZWIL RENOVIERT

Ab 2022 soll die älteste Original-Dampflok der Furka-Bergstrecke, die HG 3/4 Nr. 1, in der DFB-Werkstätte Uzwil einer umfassenden Revision unterzogen werden. Bei der Sponsorensuche für die Revision hilft auch die Matterhorn Gotthard Bahn mit. Auf einer ihrer Elektroloks prangen seit kurzem Kleber mit Spendenaufruf.

Diese Werbeung für den Spendenaufruf möglich gemacht hat die jahrelange und gute Zusammenarbeit der Matterhorn Gotthard Bahn und der Dampfbahn Furka-Bergstrecke. Die HGe 4/4 II Nr. 101 der MGB mit den Aufkleber wird in den nächsten zwei Jahren auf der Strecke zwischen Zermatt-Brig-Oberwald-Realp-Andermatt-Disentis Werbung für die Dampflok-Revision machen.

Die nach heutiger Kostenschätzung 700'000 Franken teure Hauptrevision, in der Fachsprache R3 genannt, wird vier bis fünf Jahre dauern. Die Dauer hängt vom Zustand der Hauptbestandteile wie Rahmen und Kessel ab. Nach der für das Jahr 2022 geplanten Überführung von Realp in die DFB-Lokwerkstätte Uzwil wird sie demontiert und gereinigt.

Danach wird der Zustand aller Komponenten aufgenommen und mit der Aufarbeitung der bestehenden bzw. mit der Herstellung neuer Bauteile begonnen. Am Schluss folgt die Montage der Teile und die Lackierung.

Die Revision wird erst nach Sicherstellung von 80 Prozent der aktuell veranschlagten Kosten in Angriff genommen. Derzeit fehlen noch mehr als 500'000 Franken. Dieses Geld zu sammeln, haben sich die Dampflokfreunde Furka-Bergstrecke auf die Fahne geschrieben. Kleine und grosse potenzielle Geldgeber werden in den nächsten Monaten angegangen.

Schweiz-Vietnam und zurück

Die HG 3/4 Nr. 1 hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Nach der Ablieferung 1913 an die  Brig-Furka-Disentis-Bahn (BFD) ging die Lokomotive 1926 zusammen mit den neun Schwesterlokmotiven an die als Nachfolgegesellschaft der BFD gegründete Furka-Oberalp-Bahn (FO) über und leistete bis zum Abschluss der Elektrifikation im Jahre 1942 auf der gesamten 100 Kilometer langen Strecke Brig-Disentis zuverlässig täglich ihren Dienst.

Mit dem Verkauf 1947 an die Chemins de fer francais de l’Indochine gelang die Lokomotive zusammen mit drei Schwesterlokomotiven nach Vietnam (damals Indochina) und versah dort bis 1967, zum Schluss unter der Nr. VHX 31-201, Dienst auf der 43 km langen Strecke Song Pha (früher Krong Pha) – Da Lat. Diese Strecke wies eine maximale Steigung von 120 Promille auf. In dieser Zeit wurde auch der Kohlekasten vergrössert.

Nach kriegsbedingten Unterbrüchen fanden 1975 die letzten Fahrten statt. Im Rahmen der Reaktivierung der Furka-Bergstrecke kam 1988 die Idee auf, die 1947 nach Vietnam verkauften Dampflokomotiven zurück in die Schweiz zu holen. Nachdem die langwierigen Verkaufsverhandlungen nach zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen wurden und die Finanzen gesichert waren, wurden 1990, neben den zwei HG 4/4, auch vier HG 3/4 (Nr. 1, 2, 8 und 9), soweit noch vorhanden, in der beispiellosen Aktion „Back to Switzerland“ durch die DFB in die Schweiz zurückgeführt.

Nach einer Sonderausstellung «Furka-Bergstrecke» im Verkehrshaus Luzern, wurde die Lok von 1992 bis 1993 im Reichsbahnausbesserungswerk Meiningen im deutschen Bundesland Thüringen aufgebarbeitet. Am 9. Juni 1993 konnte die erste Original-Furka-Dampflokomotive zurück auf der Furka Bergstrecke begrüsst und in Betrieb genommen werden. Die Lok wurde mit dem vergrösserten Kohlekasten wie in Vietnam und in der damaligen Hausfarbe der DFB, in kobaltblau, abgeliefert. Seither stand die Lok jedes Jahr im Einsatz. Zur Sicherstellung der Betriebssicherheit unterzog man die Lok regelmässigen Revisionen.

Erfahrenes Team am Werk

Die Verantwortung für die Revision der HG 3/4 Nr. 1 liegt in bewährten Händen. Mit Projektleiter Markus Staubli, Jakob Knöpfel und Walter Frech ist wieder jene Mannschaft federführend, die auch die beiden aus Vietnam zurückgeholten HG 4/4 Nr. 704 und 708 einer Totalrevision unterzogen hat. Die 704 ist seit 2019 auf der Bergstrecke im Einsatz, die 708 soll 2022 bereit sein.

Optimale Infrastruktur in Uzwil

Die bestehende Infrastruktur in der Werkstätte in Uzwil lässt optimale Arbeitsprozesse zu und die Frondienstmitarbeiter haben sich ein Wissen angeeignet, das seinesgleichen sucht. Aktuell leisten die Freiwilligen jedes Jahr umgerechnet sieben Mannjahre. Mittelfristig wird mit drei bis vier Mannjahren geplant.

Bild: Wil24
Eine Delegation der Dampflokfreunde Furka-Bergstrecke bzw. der DFB-Dampflokwerkstatt Uzwil war beim Rollout in Brig-Glis mit dabei (von links): Andreas Huwiler, Hans Siegwart und Anton Scheiwiller vom Vorstand der Dampflokfreunde Furka-Bergstrecke sowie Projektleiter Markus Staubli.