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22.11.2021

Präzision und Vorbereitung sind für beide entscheidend

Im Gespräch (v.l.): Moderator Roland P. Poschung mit Dr. Martin Seifert, leitender Arzt Chirurgie am Spital Wil, und Stefan Küng. Radrennfahrer aus Wilen TG. Bild: Vroni Krucker
Anlässlich der 25. Jubiläumsausgabe des "Persönlich im Hof zu Wil" sprach Moderator Roland P. Poschung mit dem Radrennfahrer Stefan Küng und dem Chirurgen Martin Seifert. Trotz sehr unterschiedlicher Berufe gab es Übereinstimmungen zwischen den beiden Spitzenkräften.

Von Vroni Krucker

Zum 25. Mal lockte Roland P. Poschung - seines Zeichens Botschafter der Stadt Wil - viele Details aus den beiden Gästen. Sie wirken in sehr unterschiedlichen Berufen, fanden trotzdem da und dort Gemeinsamkeiten. Bei beiden ist unter anderem die exakte Vorbereitung und Präzision ein wesentlicher Bestandteil des Gelingens. Beiden wurde die Berufswahl nicht in die Wiege gelegt und beide sind erfolgreiche Persönlichkeiten, der Chirurg mehr im Stillen, der Veloprofi in der Öffentlichkeit.

Das Zugpferd «Begeisterung»

Stefan Küng verfolgte als Kind jeweils das Militärradrennen St. Gallen-Zürich, das am Elternhaus vorbeigeführt hat. Ansonsten hat ihn Velofahren nicht sonderlich interessiert. Er traf sich mit Kollegen beim Faustball, das in Wilen grosse Tradition hat. «Ein Wettkampftyp war ich schon früh und Stillsitzen nicht mein Ding», betonte er. Das erste ganz normale Velo sei mit den heutigen High-Tech-Modellen, zugeschnitten auf jeden einzelnen Fahrer, nicht vergleichbar. Die Karriere sei rasch steil aufwärts gegangen. Pro Jahr fahre er ca. 31`000 km. Spannend waren die vielen Details, die Küng aus seinem «Veloleben» erzählte.

Die Medizin war nicht Martin Seiferts erste Wahl an der Uni und keine Familientradition – animiert wurde er von seinem Hausarzt. Er ist in Davos aufgewachsen, und als einziger der vier Brüder ins Unterland gezogen. Die Begeisterung der beiden Gäste für ihren Beruf bzw. Berufung führte zu Erfolgen. Das bestätigte auch Roland Poschung, der kürzlich bei Dr. Seifert unter dem Messer lag. Der Chirurg ist im Spital Wil für Eingriffe am Bauch zuständig.

Dr. med. Martin Seifert. Bild: Vroni Krucker

Ausdauer und Betreuung

Der 28-Jährige, erfolgreiche Radprofi und Europameister weiss, was Ausdauer heisst. «Da sitzt man oft bis zu sieben Stunden auf dem Velo in einer Gruppe von weit über einhundert Konkurrenten sehr nahe beisammen – alle mit Lust auf den Sieg» berichtete er. Nebst der erwähnten Vorbereitung sei totale Aufmerksamkeit und Präzision gefordert, um Unfälle zu vermeiden. Dazu trügen auch die vielen Töff`s an einer Rundfahrt bei, obwohl das für die Zuschauenden eher gefährlich aussehe.  Die Rennen seien immer sehr gut organisiert, um Risiken zu minimieren. In beiden Berufen wird nichts dem Zufall überlassen. Regelmässige ärztliche Betreuung gebe Auskunft über den Gesundheitszustand, den Spitzensport erfordere. Sehr wichtig sei auch die mentale Unterstützung. Angst dürfe nicht aufkommen, sie sei ein sehr schlechter Berater, schränke ein und verunsichere. Man müsse lernen, mit der jeweiligen Situation umzugehen.

Das gilt auch für den Chirurgen. Martin Seifert hat bereits über 1000 Operationen gemacht, was auch immer mehr Sicherheit mit sich bringe. Eine genaue Aufgabenzuteilung im OP-Team sei trotzdem unumgänglich, betonte er.  Sehr wichtig ist dem Arzt eine gute Ausbildung der kommenden Generation, also die Nachwuchsförderung. Zudem kann er sich einige Zeit bei Einsätzen in Afrika vorstellen.

Partnerinnen

Wie die beiden ihre Partnerinnen kennen gelernt haben, war amüsant. Bei Martin Seifert geschah dies an einem «Nähkurs», wo allerdings nicht das Zusammennähen von Stoffen anstand, sondern das Nähen von feinen möglichst unsichtbaren Nähten an der menschlichen Haut. Die Gattin ist ebenfalls Chirurgin und spezialisiert auf Eingriffe an der Schilddrüse, wo eine feine Naht doppelt wichtig ist. Weniger amüsant war das Kennenlernen von Stefan Küng und seiner Céline. Am Giro d`Italia ist er gestürzt und hat sich einen Brustwirbel gebrochen. Als es ihm wieder besser ging, begegnete er in Winterthur seiner heutigen Partnerin, die ihn auch nach Wil in den Hof begleitete.   

Stefan Küng mit Partnerin Céline. Bild: Vroni Krucker
Vroni Krucker