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29.03.2021

"Flüchtlingsmutter" Gertrud Kurz beeindruckt bis heute

Bild: zVg
Das Projekt «Hommage 2021» würdigt anlässlich des 50-jährigen Frauenstimm- und Wahlrechts weibliche Persönlichkeiten, welche sich für Chancengleichheit stark gemacht haben. Für Appenzell Ausserrhoden wurde dafür die «Schweizer Flüchtlingsmutter» Gertrud Kurz gewählt.

In den Gassen der Berner Altstadt ist zurzeit das Portrait der gebürtigen Lutzenbergerin Gerturd Kurz-Hohl (1890 - 1972) zu sehen. Die Freilicht-Ausstellung «Hommage 2021» macht die Biografien von Frauen sichtbar, die sich für eine Schweiz mit gleichen Rechten für alle eingesetzt haben. Das nationale Projekt schenkt ihnen die Anerkennung, die sie zeitlebens nie erhalten haben - denn lange fehlten Frauen in den Geschichtsbüchern.

Gertrud Kurz kümmerte sich um Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs gezwungen waren, in die Schweiz zu fliehen. Sie rief 1937 die Hilfsorganisation «Flüchtlingshilfe der Kreuzritter» ins Leben, die später in Christlichen Friedensdienst (CFD) umbenannt wurde. Das grosse Engagement und der Mut von Gertrud Kurz fasziniert bis heute: «Mit Herzblut und voller Überzeugung hat sie sich für die Flüchtlinge engagiert. Uns beeindruckt dabei, dass Gertrud Kurz sogar versucht hat, den Bundesrat zu überreden, die Grenzen für Flüchtlinge nicht zu schliessen», berichtet die Klasse 5e der Kantonsschule Trogen. Die Schülerinnen und Schüler haben Gertrud Kurz auserkoren, um bei der «Hommage 2021» den Kanton Appenzell Ausserrhoden zu repräsentieren. «Sie legte für dieses wichtige und gerade auch heute noch aktuelle Thema der Flüchtlingshilfe wichtige Grundsteine in Gesellschaft und Politik», sind sich die Jugendlichen sicher.

Die Art wie Gertrud Kurz in Lutzenberg aufgewachsen ist, war für ihr humanitäres Handeln ausschlaggebend. Sie blieb stets eng mit dem Appenzellerland verbunden und organisierte sogenannte Versöhnungsseminare im «Sonneblick» Walzenhausen. Erst kürzlich hat der Kanton St.Gallen in den gleichen Gebäuden das neue Asylzentrum für den Kanton Appenzell Ausserrhoden in Betrieb genommen.

Der Geschäftsleiter der Stiftung «Sonneblick», Adrian Keller, ist überzeugt, dass Gertrud Kurz noch heute ein Vorbild ist: «Es braucht Menschen wie Gertrud Kurz, die mit offenen Ohren auf die geflüchteten Menschen zugehen und zwischen verschiedenen Nationen vermitteln.» Als ehemaliges Stiftungsratsmitglied des «Sonneblicks» hat Gertrud Kurz die Ausrichtung der Stiftung wesentlich mitgeprägt.

Heute lebt das Gedankengut der «Flüchtlingsmutter» auch in der Stiftung Gertrud Kurz weiter. Sie unterstützt Projekte, welche die Teilhabe und Anerkennung von Personen fördern, die aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt sind. Umso wichtiger sind Migrations- und Integrationsprojekte – so wie sie Gertrud Kurz schon vor Jahren durchgeführt hat.

Daniela Dürr