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14.02.2021
15.02.2021 18:36 Uhr

Dr. Gut: "Der erfolgreiche Angriff der Frauen"

Dr. Gut: "Am 7. März sind insbesondere auch die Schweizer Feministinnen aufgerufen, Ja zum Verhüllungsverbot zu stimmen."
Der Feminismus ist eine der erfolgreichsten Ideologien der Gegenwart. Um glaubwürdig zu bleiben, muss er den Blick über den Tellerrand werfen.
  • Kolumne von Dr. Philipp Gut

Ich habe es knapp verpasst: Das Zeitalter, als in der Schweiz nur die Männer Politik machten. Natürlich hatten sich auch die Frauen schon zuvor politisch eingemischt, aber nur indirekt, durch kluge Beeinflussung ihrer Männer. Als ich geboren wurde, durfte meine Mutter endlich aktiv mitbestimmen und sich in politische Ämter wählen lassen.
Ein halbes Jahrhundert ist seither vergangen. Fast ungläubig blicken wir zurück auf die Zeit davor, als die Hälfte der Bürger unserer stolzen Demokratie von den politischen Rechten ausgeschlossen war. Eine Umkehrung dieses emanzipatorischen Fortschritts scheint undenkbar.

Geheimnis des Patriarchats

Und doch: Historisch betrachtet, ist die Gleichberechtigung der Geschlechter nur ein Wimpernschlag der Weltgeschichte. Fast ausnahmslos in allen Kulturen aller Kontinente herrschte über Hunderttausende von Jahren uneingeschränkt das Patriarchat. Warum das so ist, bleibt eine spannende Frage, die bis heute nicht befriedigend geklärt ist.

Historische Konstante gedreht

Diese Tatsache schmälert den Erfolg der feministischen Bewegung allerdings nicht, im Gegenteil: Sie macht ihn noch eindrücklicher. Innert kürzester Zeit ist es ihr gelungen, eine historische Konstante umzudrehen. Das macht den Feminismus zu einer der erfolgreichsten politischen Ideologien der Gegenwart.

Mädchen haben gleiche Zukunftschancen

Doch wie jede Ideologie hat auch der Feminismus nie genug. Statt auf Gleichberechtigung zielt er jetzt auf Gleichstellung, was etwas völlig anderes ist. So fordert er beispielsweise Quoten. 50 Prozent aller Führungspositionen sollen demnach von Frauen besetzt sein.

Mit solch überschiessenden Zielen verlässt der Feminismus den Boden der freiheitlichen Ordnung. Alle Bürger eines Landes, egal, mit welchem Chromosomensatz sie geboren worden sind, sollen die gleichen Rechte haben. Das ist für uns heute selbstverständlich. Meine Töchter im schulpflichtigen Alter können lernen, studieren und werden, was sie wollen. Sie haben – der Gleichberechtigung sei Dank – die gleichen Zukunftschancen wie ihre männlichen Klassenkameraden.

Quoten für Kanalarbeiter?

Der Quotenfeminismus will demgegenüber einen ideologischen gesellschaftlichen Zustand erzwingen, gegen die Freiheit des Einzelnen. Bis zur Gleichschaltung ist es dann nicht mehr weit.
Gegenfrage: Warum fordert niemand, dass 50 Prozent der Kanalarbeiter Frauen sein müssen? Oder 50 Prozent der «Güselmänner», die unseren stinkenden Abfall entsorgen? Oder 50 Prozent der Soldaten, die im Ernstfall auf den Schlachtfeldern dieser Welt ihr Leben  aufs Spiel setzen?
Eben. Diese Beispiele zeigen, wie leicht sich «die Quote» ad absurdum führen lässt.

Hat sich der Feminismus überlebt?

Heisst das, dass der Feminismus sich selbst überlebt hat? Ist er ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden?
Bezogen auf den Kampf für gleiche politische Rechte, lautet die Antwort: Ja.
Aber es folgt gleich ein Aber: Das gilt nur für Länder wie die Schweiz; und selbst hier lauern neue Gefahren.

Am 7. März ein Zeichen setzen

Wir dürfen beispielsweise nicht zulassen, dass sich Parallelgesellschaften wie in Grossbritannien oder Frankreich bilden. Gesellschaften, in denen Frauen als Wesen zweiter Ordnung gelten und sich in der Öffentlichkeit verschleiern müssen.
Am 7. März sind deshalb insbesondere auch die Schweizer Feministinnen aufgerufen, ja zum Verhüllungsverbot zu stimmen und ein Zeichen für die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu setzen.

Frauenunterdrückung bleibt weltweit die Regel

Die Problematik der Gesichtsverhüllung erinnert uns daran, dass anderswo die grossen Schlachten der Frauenemanzipation erst noch zu schlagen sind. Die religiös-politisch verbrämte Unterdrückung der Frau im Islam ist global gesehen leider immer noch eher die Regel denn die Ausnahme. Vom indischen Subkontinent bis zur neuen Supermacht China sind Frauen und Mädchen oft so wenig wert, dass man sie sogar tötet. Nicht viel besser steht es in weiten Teilen Afrikas.

Anpacken, wo Not an der Frau ist

Es gibt also noch viel zu tun für den Feminismus.
Nur sollte er sich, um glaubwürdig zu bleiben, nicht um Scheinprobleme kümmern, sondern dort anpacken, wo wirklich Not an der Frau ist.

Dr. Philipp Gut schreibt auf dem Online-Verbund von Portal24 jede Woche eine Kolumne, die auf den 10 dem Verbund angeschlossenen Portalen jeden Sonntagmorgen publiziert wird. Philipp Gut ist Historiker, Bestsellerautor («Jahrhundertzeuge Ben Ferencz») und einer der profiliertesten Journalisten der Schweiz. Mit seiner Kommunikationsagentur Gut Communications GmbH berät er Unternehmen, Organisationen und Persönlichkeiten.

www.gut-communications.ch

Dr. Philipp Gut, Kolumnist Uzwil24