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Wirtschaft
30.01.2021
01.02.2021 11:45 Uhr

Aktienbörse: Optimismus schwindet, Kurse bröckeln ab

Christopher Chandiramani zum vorherrschenden Bild an der Börse: «Nach der Euphorie schreiten die Investoren nun zu Gewinnmitnahmen.»
Die Pandemie ist noch nicht im Griff: Trotz sinkender Fallzahlen kommen strenge Massnahmen. Impfdosen werden knapp. Schuldenberge wachsen an. Es gibt rückläufige Firmenergebnisse und Gewinnmitnahmen.

Die US-Notenbank warnt vor einer langsameren wirtschaftlichen Erholung infolge Covid-19 und lässt die Zinsen weiterhin auf rekordtiefem Niveau. Der neue US-Präsident Biden krempelt die amerikanische Politik um (Einwanderung, Aussenpolitik, Nahost-Dossier, Corona, Umweltschutz usw.), ändert vieles, was sein Vorgänger vor vier Jahren umgesetzt hatte.

Gewinnmitnahmen an den Aktienmärkten prägen das Bild, schwächerer USD und EUR gegenüber dem CHF, teilweise kommt es zu den grössten Verlusten bei den Aktien seit Weihnachten. Der SMI verliert fast vier Prozent, nachdem er zu Wochenbeginn die Marke von 11'000 Punkten touchiert hatte.

Die Euphorie bezüglich eines baldigen Endes der Pandemie ist ebenfalls verflogen. Kaum hat man zu impfen begonnen, herrscht bereits Knappheit bei den Impfdosen und es gibt immer häufiger Verteilkämpfe unter den Kantonen.

Unternehmensergebnisse überraschen kaum

Der Walliser Chemiekonzern Lonza, Zulieferer der Grundstoffe für Corona-Impfungen (Moderna), wächst und steigerte den Umsatz um 3.2 Prozent auf 6.2 Mrd. CHF. Der Betriebsgewinn war 6.1 Prozent höher als im Vorjahr. Die entsprechende Marge stieg um einen Prozentpunkt auf 28.4 Prozent.
Auch Novartis hat Eckzahlen für 2020 publiziert. Mit 48.7 Mrd. USD liegen der Umsatz und Verkäufe um 3 Prozent über dem Vorjahr. Auf Gewinnseite hat Novartis 2020 operativ 10.2 Milliarden US-Dollar (12 Prozent mehr) verdient.
Bei beiden Werten, Novartis und Lonza kam es nach der Publikation zu grösseren Gewinnmitnahmen.

Die Corona-Pandemie hat sich auch im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs 2020/21 negativ auf die Verkäufe des Schokoladeproduzenten Barry Callebaut ausgewirkt. Verkaufsmenge wie auch Umsatz (rund -11 Prozent von September-November) waren deutlich rückläufig. Die längerfristigen Aussichten bleiben aber positiv.

Die Zuger Kantonalbank hält den Gewinn im Pandemiejahr 2020. Das operative Ergebnis sank im vergangenen Jahr um lediglich 2,5 Prozent auf 104.5 Mio. CHF. Die Dividende soll unverändert bleiben (CHF 220 pro Aktie).

Positiv überrascht hat hingegen die UBS - Trotz Krise machte die grösste Schweizer Bank 2020 relativ gute Geschäfte. Der Reingewinn betrug 6.6 Mrd. USD und liegt damit 54 Prozent über dem Vorjahreswert.

CPH plant eine Fusion mit Hauptaktionärin – die Innerschweizer Industriegruppe will mit der Uetikon Industrieholding zusammengehen. Die Gruppe der Kernaktionäre bleibt unverändert.

Aussichten: leichte Eintrübung?

Unser Finanzminister hat sich geäussert über die hohen Kosten der Corona-Krise, die Unterstützungshilfe und die hohen Belastungen der Bundeskasse im vergangenen und im laufenden Jahr. Zurzeit brauche man schon wieder zusätzliche 15 Mrd., das ergibt ein «Loch» von beinahe 150 Mio. pro Tag oder 6 Mio. pro Stunde.
Die Schweiz kann sich das leisten, aber weltweit gesehen sind es unvorstellbar hohe Zahlen. Die längerfristigen Auswirkungen dieser Staatsdefizite sind noch nicht absehbar.

Die Umsatz- und Gewinnabschwächungen bei den Unternehmungen halten sich zwar noch im Rahmen, aber ob die Erholung schnell kommt, bleibt zweifelhaft. Jedoch geben wieder zunehmende Wachstumsraten der Wirtschaft in Asien dennoch zu Hoffnungen Anlass.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Uzwil24