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Kanton SG
29.01.2021

Mehr Menschen suchten Hilfe bei Tel143 Ostschweiz

70% der Anrufenden bei Tel143 sind Frauen. Bei ihnen geht es sehr oft um Beziehungsfragen. (Symbolbild)
Die Dargebotene Hand Ostschweiz/FL zählte 2020 ein Plus von 1'000 Gesprächen mit Hilfesuchenden. Am häufigsten wurde über Beziehung gesprochen. Vermehrt riefen Suizidale und Junge an.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der anrufenden Frauen leicht angestiegen und liegt aktuell bei rund 70% (2019: 68%), während knapp 29% Männer zum Hörer gegriffen haben (2019: 30%).

Beziehung im Allgemeinen häufigstes Thema

Bei jedem Gespräch identifizieren die Freiwillig Mitarbeitenden bis zu drei Gesprächsthemen. Klammert man die Themen Alltagsbewältigung und Psychisches Leiden der wiederkehrenden Anrufenden aus, lassen sich geschlechtsspezifische Tendenzen erkennen: Das häufigste Gesprächsthema bei den Frauen ist Beziehung im Allgemeinen (13.57%). Auf Rang zwei folgt das Thema Familie/Erziehung (8.74%), gefolgt vom Thema Paarbeziehung (8.06%).

Auch die Männer beschäftigt das Thema Beziehung im Allgemeinen (16.72%) stark. Auf Rang zwei liegt das Thema Spiritualität/Lebenssinn (6.81%) und Rang drei belegt das Thema Einsamkeit (5.35%).

Für Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen stand wiederum die Bewältigung ihres Alltags und das Ringen mit den Erscheinungsformen ihrer Krankheit im Vordergrund – und zwar bei beiden Geschlechtern. Diese Art Anrufe machten insgesamt rund 40% aller Gespräche aus.

Einsamkeit im Alter stärker ausgeprägt

Die Statistikzahlen zeigen, dass das Thema Einsamkeit die Menschen stärker betrifft, je älter sie werden.

Bei den über 65-jährigen Menschen sind es 11% (2019: 9%), welche unter Einsamkeit leiden. In dieser Altersgruppe belegt das Thema Einsamkeit Platz 3. Neben Einsamkeit sieht sich diese Altersgruppe zudem mit den Themen körperliches Leiden mit 12% (2019: 12%) und Familie/Erziehung mit 12% (2019: 13%) konfrontiert.

Durch das Fehlen sozialer Kontakte und die zunehmende körperliche Gebrechlichkeit wird die Lebensqualität dieser Altersgruppe stark beeinträchtigt.

Zunahme suizidaler Anrufe

Weiter ist eine Zunahme der Anrufenden bei Tel143 mit suizidalen Gedanken zu beobachten. Hier ist vor allem die Altersgruppe der 41- bis 65-Jährigen betroffen.

Besonders viele Anrufende dieser Altersgruppe beschäftigt die Coronakrise stark. Sie kämpfen mit deren Folgen, haben Existenzängste und müssen Beruf und Familie während dem verordneten Homeoffice in ein gutes Gleichgewicht bringen.

Mehr junge Menschen holen Hilfe

Im 2020 haben sich mit einer Verdreifachung der Anzahl deutlich mehr junge Menschen der Altersgruppe unter 18-jährig an Tel143 gewandt. Themen, welche diese Altersgruppe stark beschäftigen, sind Sexualität, Gewalt und Familie/Erziehung.

Diese Generation hat gelernt, sich Hilfe zu holen, wenn Probleme anstehen, und darüber zu reden. Das hilft, frühzeitig die notwendigen Weichen zu stellen, so dass langanhaltende psychische Leiden vermieden werden können.

1'142 Kontakte per Mail und Chat

Die Onlineberatung wird schweizweit von mehreren Regionalstellen gemeinsam betreut. Hier kann nicht aufgeschlüsselt werden, woher sich eine Person meldet.

Die Regionalstelle Ostschweiz/FL betreute 2020 total 1'142 Onlinekontakte, davon 206 Mailkontakte und 936 Chats. Die Frauen sind auch hier in der Überzahl, auch wenn online nicht immer alle Kontakte einem Geschlecht zugeordnet werden können. Vor allem Menschen der Altersgruppe der 19- bis 41-Jährigen wählten im 2020 die Onlinekanäle für die Kontaktaufnahme mit Tel143.

Thematisch ergibt sich vor allen Dingen beim Chat ein ähnliches Bild wie am Telefon, jedoch werden online Themen wie Gewalt oder Suizidalität häufiger angesprochen als am Telefon. Vielen Menschen fällt das Schreiben über schambehaftete Themen leichter als das Reden darüber.

Die häufigsten Gesprächsthemen am Telefon gesamt (beide Geschlechter):

  1. Alltagsbewältigung 23% (Vorjahr: 22.2%)
  2. Psychisches Leiden 17.9% (Vorjahr: 17.9%)
  3. Beziehung allgemein 14.9% (Vorjahr: 15.7%)
  4. Paarbeziehung 6.9% (Vorjahr: 7.2%)
  5. Körperliches Leiden 6.8% (Vorjahr: 8.2%)
  6. Einsamkeit 6.1% (Vorjahr: 6.3%)

Die Dargebotene Hand Ostschweiz/FL

Die Dargebotene Hand – Tel143 Ostschweiz/Fürstentum Liechtenstein ist eine von der ZEWO zertifizierte Nonprofit-Organisation, die mit rund 60 Freiwillig Mitarbeitenden rund um die Uhr Gespräche für Menschen in schwierigen Situationen anbietet. Die Anrufenden dürfen dabei anonym bleiben.

Die Freiwillig Mitarbeitenden durchlaufen ein Selektionsverfahren und einen sechsmonatigen Ausbildungskurs. Während ihrer Einsatzzeit werden sie laufend weitergebildet und von externen SupervisorInnen begleitet.

Die Finanzierung von Tel143 erfolgt über private Spenden und über Beiträge der öffentlichen Hand, der Kantonalkirchen und Kirchgemeinden.

PD, Dargebotene Hand Ostschweiz/FL