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Flawil
28.01.2021

Der Flawiler Marktplatz soll neu gestaltet werden

Am 7. März 2021 lässt der Gemeinderat nicht nur über den Neubau einer Turnhalle als Dreifachhalle mit Musikschulzentrum und über das Hochwasserschutzprojekt Dorf- und Tüfibach abstimmen, sondern auch über die Neugestaltung des Marktplatzes.

Der Marktplatz im Zentrum von Flawil wird heute seinem Namen nicht gerecht. Seit vielen Jahrzehnten will der Gemeinderat den charakterlosen Parkplatz neu gestalten. Das nun vorliegende Generationenprojekt soll das Dorfbild an einer besonders wirksamen Stelle erfolgreich verändern. Der Gemeinderat beantragt der Bürgerschaft für die Neugestaltung des Marktplatzes einen Bruttokredit von 8,275 Millionen Franken.

Der Gemeinderat will an diesem wichtigen Ort im Dorfzentrum ein städtebauliches Zeichen setzen und legt deshalb ein Projekt vor, welches den Bau eines Kulturhauses mit offener Markthalle und Tiefgarage vorsieht. Das Bauprojekt ist aus einem Studienauftrag hervorgegangen, welchen der Gemeinderat im Jahr 2017 durchführte. Damals war die spontane Beurteilung des Projekts durch die vielen Ausstellungsbesucherinnen und Ausstellungsbesucher äusserst positiv.

Mitwirkung der Bevölkerung

Danach wurde das Siegerprojekt des Studienauftrags durch das Architektenteam Schmid Landschaftsarchitekten und Esch Sintzel Architekten aus Zürich weiterentwickelt. Eine breit abgestützte Begleitgruppe sorgte mit ihren Impulsen dafür, dass ein Projekt entstand, welches die Bedürfnisse und Eigenheiten von Flawil berücksichtigt. Auch die Bevölkerung konnte mitwirken. An Informations- und Workshop-Veranstaltungen waren Direktbetroffene sowie Anspruchsgruppen aus der Bevölkerung eingeladen. Sie erhielten konkrete Informationen zum Projekt sowie zur Vorgehensweise und konnten Vorschläge zur Projektrealisierung einbringen. Ein Grundlagenbericht fasst die Ergebnisse der Workshops zusammen.

Überarbeitung des Vorprojekts

Das Architektenteam entwickelte die Ideen von Studienauftrag und Grundlagenbericht weiter und präsentierte dem Gemeinderat ein erstes Vorprojekt. Allerdings überstiegen die Kosten für Kulturhaus, Markthalle und Tiefgarage die Vorstellungen des Gemeinderats deutlich. Der Grund dafür waren einerseits die geologischen Verhältnisse des Marktplatzes. Andererseits hatte das Vorprojekt aus Sicht des Gemeinderats zu viel Speck angesetzt. Die Wünsche aus dem Mitwirkungsverfahren sollten durchaus berücksichtigt werden, ohne jedoch das Bauvolumen und damit die Baukosten
aufzublähen. Gefragt waren clevere Lösungen mit einem optimalen Kosten- und Nutzenverhältnis. Das Architektenteam musste nochmals über die Bücher gehen. Die Überarbeitung des Vorprojekts hat sich gelohnt. Die Gesamtkosten konnten deutlich gesenkt werden und erreichen nun das vom Gemeinderat geforderte Niveau. Die grössten Optimierungen und Einsparungen konnten bei der Tiefgarage erzielt werden, welche jedoch immer noch 60 Parkplätze aufweist. Damit bleibt das Angebot gegenüber heute unverändert. Das Vorprojekt hat durch die Überarbeitung an Charakter gewonnen und kommt dem Siegerprojekt des ursprünglichen Studienauftrags sehr nahe.

Ort der Gemeinschaft und Integration

Das Vorprojekt zur Neugestaltung des Marktplatzes beinhaltet den Bau eines Kulturhauses mit offener Markthalle und Tiefgarage. Eine Spitzahornreihe führt direkt vom Bahnhof über die St.Galler-/Wilerstrasse zum Marktplatz und verbindet die beiden Schwerpunkte von Flawil. Das städtische Flair der Bahnhofstrasse findet am Marktplatz seinen dörflichen Gegenpart. Der Baumhain bezeichnet den Ort der Gemeinschaft und Integration. Unter seinem Blätterdach sollen im Tages- und Jahresverlauf unterschiedliche Aktivitäten möglich sein. Das Kulturhaus zentriert als Anziehungspunkt den Platz. Gleichzeitig schafft es zwei über das grosse Dach verbundene Räume.

Kulturhaus: zweckdienlich und wertvoll

Flawil war bis in die 1970er-Jahre weitherum bekannt für seine geselligen und politischen Anlässe. Heute ist in Flawil das Angebot an Räumen mit geeigneter Infrastruktur zur Durchführung von kleineren und mittelgrossen Anlässen nicht im benötigten Umfang vorhanden. Der Gemeinderat erachtet deshalb den Bau eines Kulturhauses auf dem Marktplatz, welches rund 100 bis 150 Personen Platz bietet, als zweckdienlich und wertvoll. Das Kulturhaus soll Vereinen und privaten Kulturveranstaltenden durch die Liegenschaftenverwaltung der Gemeinde Flawil kostengünstig vermietet werden. Die operativen Aufgaben vor Ort werden durch eine Betriebsleitung oder Hauswartung übernommen. Das Pensum umfasst rund 30 Stellenprozente. Das Kulturhaus eignet sich bestens für Kleintheater, Konzerte, Lesungen, Tanz, Filmvorführungen und Kunstausstellungen. Aber auch als Treffpunkt bei traditionellen Dorfanlässen oder für Spielturniere, Vorträge und Kurse soll es Platz bieten. Der Gemeinderat wünscht sich einen lebendigen Kulturbetrieb für alle Generationen. Das Kulturhaus steht jedoch für private Feiern wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeitsfeiern nicht zur Verfügung. Die Nutzung des Raumangebots könnte durch eine Kulturvermittlerin oder einen Kulturvermittler sichergestellt werden. Der Gemeinderat ist bereit, für diese Aufgabe rund 20 zusätzliche Stellenprozente zur Verfügung zu stellen.

Betriebs- und Nutzungskonzept

Im Rahmen des Partizipationsprozesses wurde aus der Bevölkerung öfter der Wunsch geäussert, dass für das Kulturhaus ein verbindliches Betriebs- und Nutzungskonzept erarbeitet wird. Dieses liegt im Entwurf vor und zeigt die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten. Im Kulturhaus gibt es keinen Restaurationsbetrieb. Bei Veranstaltungen können die Gewerbebetriebe im Dorf das Catering übernehmen. Die Betriebszeiten werden sich am Reglement zur Benützung des Lindensaals orientieren. Nach 22 Uhr sollen pro Kalenderjahr maximal sechs Veranstaltungen im Freien zulässig
sein.

Tiefgarage mit 60 Parkplätzen

Das Vorprojekt beinhaltet den Bau einer Tiefgarage unter dem Marktplatz. Es sollen 60 Parkplätze entstehen, welche die heutigen oberirdischen Parkplätze ersetzen. Dem Anliegen der Flawiler Fachgeschäfte, keine Parkplätze im Zentrum zu verlieren, kann damit entsprochen werden. Im Vorfeld prüfte der Gemeinderat unter anderem, ob die Gemeinde selbst als Bauherrin und/oder Betreiberin der Tiefgarage agieren soll. Der Rat erachtet es als sinnvoll, wenn die Tiefgarage in das bestehende Parkplatzkonzept integriert wird und somit die Gemeinde als Bauherrin und Betreiberin der Tiefgarage auftritt. Der Rat prüfte auch einen Zusammenschluss mit der bestehenden Tiefgarage der Migros. Leider konnten die Entscheidungsträger der Migros nicht dafür gewonnen werden.

Platzgestaltung

Auf dem Marktplatz hat es genügend Umschwung, sodass sich Synergien entwickeln zwischen Marktbetrieb, Kinderspiel, Verweilen und Kulturveranstaltungen. Zwar müssen die heutigen Bäume weichen. Von 16 bestehenden Bäumen werden 15 gerodet. Im Gegenzug werden dafür 44 Bäume neu gepflanzt. Die beiden Bäche Dorf- und Tüfibach sollen offengelegt sein und bilden einen Übergang zu den umliegenden Wohnparzellen. Das Hochwasserschutzprojekt Dorf- und Tüfibach ist jedoch nicht Bestandteil des Gutachtens «Neugestaltung Marktplatz». Das Hochwasserschutzprojekt kann unabhängig vom vorliegenden Vorprojekt zur Neugestaltung des Marktplatzes realisiert werden.

Baukosten

Die Gesamtkosten für die Neugestaltung des Marktplatzes werden mit 8,275 Millionen Franken veranschlagt. Die Kosten der einzelnen Anlageteile sind nicht separat ausgewiesen. Eine entsprechende Berechnung wird erst mit der Erarbeitung des detaillierten Bauprojekts erfolgen. Die Bürgerschaft hat an der Bürgerversammlung vom 24. April 2018 mit der Genehmigung des Rechnungsabschlusses 2017 3,5 Millionen Franken zur Vorfinanzierung für die Marktplatz-Neugestaltung genehmigt. Der Kostenanteil der Tiefgarage wird auf rund vier Millionen Franken geschätzt. Diese werden über die Spezialfinanzierung «Parkplatzbewirtschaftung» finanziert und belasten den allgemeinen Gemeindehaushalt nicht. Die Spezialfinanzierung erfolgt nämlich über
Parkgebühren. Die Baukosten für die Neugestaltung des Marktplatzes (ohne Tiefgarage) werden über eine Dauer von 25 Jahren abgeschrieben. Dank der Auflösung der Vorfinanzierung von 3,5 Millionen Franken fliessen während der Abschreibungsdauer jeweils jährlich 140'000 Franken zurück. Die gesamte Neugestaltung des Marktplatzes wird deshalb den allgemeinen Haushalt mit jährlichen Abschreibungen von netto rund 30'000 Franken belasten. Noch offen ist, mit welchem Betrag sich der Kanton St.Gallen beteiligt. Das kantonale Amt für Kultur begrüsst den Bau eines Kulturhauses auf dem Marktplatz. Erste Abklärungen haben ergeben, dass aus heutiger Sicht ein Beitrag für die
kulturelle Infrastruktur aus dem Lotteriefonds des Kantons St.Gallen ausgerichtet wird.

Betriebskosten

Die Betriebskosten setzen sich im Wesentlichen aus dem ordentlichen Unterhalt für das Kulturhaus sowie aus den Lohnkosten der Betriebsleitung, Hauswartung und allenfalls Kulturvermittlung im Umfang von 30 bis 50 Stellenprozenten zusammen. Insgesamt dürften sich die jährlichen Betriebskosten für das Kulturhaus auf rund 40'000 bis 60'000 Franken belaufen. Auf der Ertragsseite wird mit jährlichen Mieterträgen von 5000 bis 10'000 Franken gerechnet. Noch offen ist, mit welchem Betrag sich der Kanton St.Gallen beteiligt. Erste Abklärungen beim kantonalen Amt für Kultur haben ergeben, dass aus heutiger Sicht ein Beitrag während der ersten drei Betriebsjahre ausgerichtet wird.

Was passiert bei einer Ablehnung?

Sollte die Abstimmungsvorlage von der Bevölkerung abgelehnt werden, wäre vorerst eine umfassende Analyse und Standortbestimmung notwendig, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Zudem würde die Vorfinanzierung von 3,5 Millionen Franken aufgelöst und in die Erfolgsrechnung 2021 fliessen.

Ergänzende Unterlagen

Wer sich zusätzlich informieren will, findet ergänzende Unterlagen wie Abstimmungsgutachten (Vorabzug), Projekt- und Baubeschrieb, Grundrisse, vorläufiges Betriebskonzept oder die Kostenschätzung auf www.flawil.ch unter der Rubrik «Aktuelles → Projekte» oder kann diese bei der Ratskanzlei, Telefon 071 394 17 60, beziehen.

Gemeinderat empfiehlt ein Ja

Das Jahr 2020 war aufgrund der Corona-Krise ein herausforderndes Jahr. Der Gemeinderat möchte in dieser speziellen Zeit Gegensteuer geben und die Zukunft von Flawil mit einem überzeugenden Generationenprojekt aktiv gestalten. Mit der Neugestaltung des Marktplatzes wird das Zentrum von Flawil weiter aufgewertet. Diese Chance gilt es zu packen, damit sich die heutige und nächste Generation an einem vielfältig nutzbaren Marktplatz erfreuen können. Der Gemeinderat beantragt deshalb den Stimmberechtigten, für die Neugestaltung des Marktplatzes einem Bruttokredit von 8,275 Millionen Franken zuzustimmen.

Bild: Gemeinde Flawil
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Gemeinde Flawil