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Wirtschaft
23.01.2021
23.01.2021 21:38 Uhr

Börse: Grosskapitalisierte Werte im Seitwärtsband

Christopher Chandiramani zu den Aussichten: «Bei den Gesellschaften erwartet man im Pharma- und Technologiebereich Wachstum trotz Corona.»
Die Amtsübergabe der US-Präsidentschaft verlief überraschend reibungslos. Trotz sinkender Corona-Fallzahlen kommen schärfere Massnahmen. Die Unternehmen publizieren weitere Abschlusszahlen.

Keine spektakulären Vorfälle gab es beim Einzug des neuen Präsidenten ins Weisse Haus. Er änderte bereits am ersten Tag seines Amtes, am 20. Januar, 17 Gesetze bzw. machte Beschlüsse von Trump rückgängig, darunter fällt der Wiedereintritt der USA zum Klimaschutzabkommen, ein Baustopp von Pipelines, sowie Grenzöffnungen und ein Bleiberecht für Immigranten.

Seit dem 18. Januar haben wir in der Schweiz wieder einen Lockdown. Restaurants und Ladengeschäfte (ausser für Nahrungsmittel, Post und Banken usw.) bleiben geschlossen. Bei stets sinkenden Fallzahlen ist es im ersten Moment etwas realitätsfremd, wenn die Massnahmen gegen Corona strenger werden. Die Behörden haben jedoch Angst vor Mutationen der Viren.

Vom Epidemie-Gesetz und den neuen Covid-Vorschriften, die vom Eidgenössischen Parlament im Herbst bewilligt wurden, macht der Bundesrat rege Gebrauch: kurzfristig Verschärfungen einführen und wieder lockern.

Weitere Unternehmensergebnisse

Der SMI-Index erreichte per Saldo nur zögerliche Fortschritte und kam nur knapp über der Marke von 10'900 Punkten zu stehen. Die grosskapitalisierten Werte bremsten immer wieder. Eine Ausnahme machte der Augenheilkunde-Produktehersteller Alcon mit einem Plus von 6 Prozent Wochengewinn.

Die Aktien der Apotheke zur Rose profitierten von Bankempfehlungen und rückten nochmals um über 50 Prozent zum Allzeithöchst vor.

Der Bund möchte die Mehrheit an Postfinance abgeben. Ziel wäre es, wie eine Bank auch Hypothekarkredite vergeben zu können. Ob es eine Börsenofferte (IPO) ans Publikum gibt, ist noch ungewiss.

Der Hersteller von Computerzubehör Logitech profitiert stark von Videokonferenzen, Home-Office und Fernunterricht bei den Schulen. In den letzten drei Monaten 2020 stieg der Umsatz um 85 Prozent auf 1.67 Mrd. USD.

Auch Kudelski hat eigene Erwartungen übertroffen.

Der Finanzdienstleister Partners Group wächst und weitet seine Aktivitäten in den USA aus. Hier pendelt der Aktienkurs ebenfalls ums Allzeithöchst.

Der Bodenbelagshersteller Forbo rechnet mit besseren Margen und geringeren Schäden durch die Corona-Krise. Der Umsatz liegt hier gemäss Firmenangaben mit 1.1 Mrd. CHF über den Schätzungen.

Aussichten

Bei den Gesellschaften erwartet man im Pharma- und Technologiebereich Wachstum trotz Corona, ebenfalls Stabilität bei den Banken. Bei den Industriewerten könnten viele umsatzmässig um etwa 10-20 Prozent schrumpfen. Versicherungen tendieren ebenfalls etwas schwächer. Aber die Immobilienpreise steigen weiter. Bei Lockdowns steigt der Wunsch nach Wohneigentum.

Unverändert leiden Tourismus, Gastgewerbe und die Reisebranche. Unbemerkt und durch die Hintertür hat der Bundesrat bereits wieder gelockert: Wenn Lastwagenfahrer auf den Parkplätzen von Restaurants rasten, dürfen sie wieder einkehren, essen und trinken wie bei einer Kantine.

Der neu gewählte Präsident Joe Biden will die USA zur Normalität zurückführen, wie er sagte. Das weckt Hoffnungen in Bezug auf bessere Beziehungen unter den Grossmächten, auch mit Europa, und ein Ende des Handelskriegs.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Uzwil24