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Flawil
21.01.2021

Dreifachhalle: Chance für Schul- und Vereinssport

Der geplante Neubau der Dreifachhalle und des Musikschulzentrums Feld kommt am gleichen Standort wie der heutige Turnhallenkomplex zu stehen.
Der 7. März 2021 ist für Flawil ein wegweisender Tag. Der Gemeinderat lässt nicht nur über die Neugestaltung des Marktplatzes und über das Hochwasserschutzprojekt Dorf- und Tüfibach, sondern auch über den Neubau einer Turnhalle – als Dreifachhalle – mit Musikschulzentrum abstimmen. Der Rat unterbreitet der Bürgerschaft als Hauptantrag die Ausführung des Neubaus «Dreifachhalle und Musikschulzentrum Feld» als Betonbau und als Variantenantrag als Holzbau. In einer Stichfrage können die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger schliesslich bestimmen, welche der beiden Varianten sie bevorzugen, wenn beide angenommen werden.

Der Turnhallenkomplex Feld unmittelbar neben dem Oberstufenzentrum ist in die Jahre gekommen. Er besteht aus einer Doppelhalle mit Baujahr 1974 sowie einer kleineren Halle und einer Hauswartwohnung (heutige Musikschule) mit Baujahr 1956. Abgesehen von kleineren Reparatur- oder Renovierungsarbeiten sowie der Sanierung der Holzdecke wurde am Gebäude nie etwas verändert. Im Keller von Trakt 1 des Oberstufenzentrums befindet sich eine Heizzentrale aus dem Jahr 1972. Sie ist bezüglich baulichem Zustand, Alter und Effizienz nicht mehr auf dem heutigen Stand der Technik. Der Turnhallenkomplex und die Heizzentrale bedürfen einer grundlegenden Sanierung.

Neubau oder Sanierung
Ob eine Sanierung oder ein Neubau die wirtschaftlich sinnvollere Lösung darstellt, wurde mittels einer Bauanalyse und Machbarkeitsstudie geklärt. Diese kam zum Schluss, dass die 1974 erstellte Doppelturnhalle für rund fünf Millionen Franken zwar sanierbar wäre. Es könne jedoch nicht garantiert werden, dass die Sanierung im technischen und energetischen Bereich für die nächsten 25 Jahre standhält. Dagegen sei die Sanierung der 1956 erstellten Halle 3 inklusive der ehemaligen Hauswartwohnung (heutige Musikschule) nicht mehr denkbar. Die Halle müsste in allen Bereichen aufgerüstet werden, was die Kosten eines Neubaus erreichen würde. Deshalb entschied sich der Gemeinderat für einen Neubau und gegen eine Sanierung.

Am gleichen Standort
Der geplante Neubau von Turnhalle und Musikschulzentrum kommt aufgrund von ortsbaulichen und funktionalen Überlegungen am gleichen Standort wie der heutige Turnhallenkomplex zu stehen. Auf der Süd-, Ost- und Nordseite wird der Neubau, gleich wie der heutige Turnhallenkomplex, an den Pausenplatz, den Allwetterplatz und die Laufbahn grenzen. Der Neubau ist als schlichter Zweckbau konzipiert und erstreckt sich über drei Stockwerke. Der grosse Sportbereich beherbergt eine Dreifachhalle mit Materialräumen und Garderoben. Im Westflügel ist unter anderem das neue Musikschulzentrum untergebracht. Es ist vom Sportbereich baulich sowie akustisch abgetrennt und erstreckt sich über das erste und das zweite Obergeschoss, welche mit einer internen Treppe verbunden sind. Die drei Stockwerke sind mit Treppenhaus, Lift und Fluchttreppe erschlossen.

Über 100 Rückmeldungen
Im ersten Quartal 2020 konnte sich die Bevölkerung im Rahmen einer Vernehmlassung zum Projekt «Turnhalle und Musikschulzentrum Feld inklusive Heizzentrale» äussern. Während der Vernehmlassungsfrist sind über 100 Rückmeldungen eingegangen. Das Echo fiel grundsätzlich positiv aus. Es zeigte sich, dass der Neubau einer Sanierung deutlich vorgezogen wird. Nebst der allgemeinen Zustimmung haben die Vernehmlassungsteilnehmenden auch viele Anregungen geäussert. Die beiden wichtigsten Anliegen waren die Planung einer vollständigen Dreifachhalle anstelle der vorgeschlagenen Doppelhalle B sowie die Realisierung eines Provisoriums während der Bauzeit. Der Gemeinderat gab aufgrund der Vernehmlassung die Ausarbeitung einer Projektvariante mit Dreifachhalle in Auftrag.

Betonbau oder Holzbau
Ende November 2020 gelangte die IG Nachhaltige Zukunft Flawil an den Gemeinderat und regte an, das Neubauprojekt als Holzbau und die Heizzentrale mit Sonnenkollektoren und Holzschnitzelheizung auszuführen. An der Bürgerversammlung vom 24. November 2020 kam in der allgemeinen Umfrage der vorgesehene Neubau ebenfalls zur Sprache. Deshalb hat sich der Gemeinderat am 8. Dezember 2020 nochmals vertieft mit dem Turnhallen-Neubau befasst und entschieden, von einer Doppelhalle B abzusehen und der Bürgerschaft eine Dreifachhalle zu unterbreiten. Und zwar in der ursprünglich vorgesehenen «Betonbau-Version», aber als Variante auch in der «Holzbau-Version».

Unterstützung während der Bauzeit
Auf die Realisierung eines Provisoriums während der Bauzeit wird jedoch verzichtet. Der Gemeinderat ist aber bereit, den Nutzenden – der Schule und den Vereinen – während der Bauphase je 80'000 Franken zur Verfügung zu stellen und diese Kosten ins Budget der Erfolgsrechnung aufzunehmen. Dieser Betrag soll es der Schule und den Vereinen ermöglichen, eigene Provisoriumslösungen wie Einmietung in Hallen oder Alternativprogramme wie zum Beispiel Fitnesscenter, Eisbahn, Freibad oder Kletterhalle zu finden. Zudem ist der Gemeinderat bereit, gemeindeeigene Grundstücke für allfällige Provisorien der Vereine oder der Schule nach Möglichkeit zur Verfügung zu stellen.

Mit über 90 Prozent erneuerbarer Energie betriebene Heizzentrale
Seit 1972 befindet sich im Keller des Oberstufenzentrums eine Heizzentrale. Sie beliefert im Rahmen eines Wärmeverbunds nicht nur sämtliche Gebäude des Oberstufenzentrums mit Wärme, sondern auch das Primarschulhaus Feld, den Kindergarten Feld, den Lindensaal, die reformierte Kirche sowie die Seniorensiedlung Feld. Die Lebensdauer der Heizzentrale mit ihren Fernwärmeleitungen und Unterstationen neigt sich nach 47 Jahren dem Ende zu. Zudem genügen die bisherigen Brennstoffe Heizöl und Erdgas als alleinige Energieträger den künftigen gesetzlichen Ansprüchen für öffentliche Gebäude nicht mehr. Bei der Projektierung des Neubaus des Turnhallenkomplexes hat sich gezeigt, dass eine neue Heizzentrale sinnvollerweise im geplanten Neubau untergebracht wird. In dessen Untergeschoss ist genügend Raum vorhanden, um eine Eisspeicherheizung zu platzieren. Der Gemeinderat hält an der Eisspeicherheizung fest, da er diese als genauso ökologisch erachtet wie die von der IG Nachhaltige Zukunft Flawil vorgeschlagene Holzschnitzelheizung. Ergänzt mit einer Photovoltaikanlage, einem Blockheizkraftwerk und einem mit Biogas betriebenen Spitzenlastkessel ergibt dies eine mit über 90 Prozent erneuerbarer Energie betriebene Heizzentrale. Die reformierte Kirchgemeinde und die Seniorensiedlung Feld unterstützen diese Lösung.

Finanzielles
Die Kosten für den Neubau der Dreifachhalle und des Musikschulzentrums Feld als Betonbau betragen 17,91 Millionen Franken; jene für die Holzbau-Variante 18,66 Millionen Franken. Die Kosten der Heizzentrale von 1,99 Millionen Franken sind jeweils darin enthalten. Die Bürgerschaft hat an der Urnenabstimmung vom 19. April 2020 mit der Genehmigung des Rechnungsabschlusses 2019 drei Millionen Franken zur Vorfinanzierung für den Neubau der Turnhalle und des Musikschulzentrums Feld genehmigt. Die Abschreibungen der Hauptvariante als Betonbau belaufen sich während 25 Jahren auf jährlich rund 637'000 Franken. Bei der Annahme der Variante als Holzbau belaufen sich die jährlichen Abschreibungen während 25 Jahren auf rund 667'000 Franken. Dank der Auflösung der Vorfinanzierung fliessen während der Abschreibungsdauer bei beiden Varianten jährlich 120'000 Franken zurück. Die Amortisation der Heizzentrale erfolgt über einen vereinbarten Energiepreis für die reformierte Kirchgemeinde und für die Genossenschaft für Seniorenwohnungen Flawil.

Abstimmungsprozedere
Gemäss Gemeindegesetz des Kantons St.Gallen kann der Gemeinderat der Bürgerschaft zusätzlich zum Hauptantrag eine Variante unterbreiten. Von dieser Möglichkeit macht der Rat Gebrauch. Aus Kostengründen wird der Bürgerschaft als Hauptantrag der Bau der Dreifachhalle und des Musikschulzentrums als Betonbau beantragt. Als Variantenantrag wird die Ausführung als Holzbau unterbreitet. Mit der vorliegenden Abstimmung können die Flawiler Stimmberechtigten zu beiden Varianten Stellung beziehen. Falls beide Varianten angenommen werden, können die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit der Stichfrage Stellung nehmen, welche Variante bei einer Annahme bevorzugt wird. Ein einfacheres Abstimmungsverfahren lässt das Gemeindegesetz bei einem Variantenantrag nicht zu.

Was passiert bei einer Ablehnung?
Sollte die Abstimmungsvorlage von der Bevölkerung abgelehnt werden, wären vorerst eine umfassende Analyse und eine Standortbestimmung notwendig, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Es müsste wohl ein von Grund auf neues Projekt mit Wettbewerb gestartet werden. Zudem würde die Vorfinanzierung von drei Millionen Franken aufgelöst und in die Erfolgsrechnung 2021 fliessen.

Ergänzende Unterlagen
Wer sich zusätzlich informieren will, findet ergänzende Unterlagen wie Abstimmungsgutachten (Vorabzug), Pläne oder die Kostenschätzungen auf www.flawil.ch unter der Rubrik «Aktuelles → Projekte» oder kann diese bei der Ratskanzlei, Telefon 071 394 17 60, beziehen.

Fazit des Gemeinderats
Für den Gemeinderat stellt die neue Dreifachhalle mit zeitgemässer Grundausstattung sowohl für die Schule, als auch für den Jugend-, Vereins- und Erwachsenensport eine Chance dar. Da das Bedürfnis von Schule und Vereinen nach einer Dreifachhalle gross ist, hat der Rat die ursprünglich vorgesehene Doppelhalle B nicht mehr weiterverfolgt. Integriert in das Projekt ist der Neubau des Musikschulzentrums. Dadurch kann die Musikschule von den heute dezentralen Standorten neu unter einem Dach mit optimaler Infrastruktur wirken. Und mit der Heizzentrale kann eine moderne und zukunftsgerichtete Anlage mit 90 Prozent erneuerbarer Energie realisiert werden.

Gemeinderat empfiehlt doppeltes Ja
Der Gemeinderat trägt eine finanzielle, aber auch eine ökologische Verantwortung. Aus finanziellen Gründen unterbreitet er deshalb der Bürgerschaft als Hauptantrag die Ausführung als Betonbau. Als Variante, insbesondere aus ökologischen Gründen, unterbreitet der Rat der Bürgerschaft eine Ausführung als Holzbau. Die Mehrkosten eines Holzbaus betragen 742'000 Franken.

Der Gemeinderat beantragt den Stimmberechtigten sowohl dem Hauptantrag «Betonbau» als auch dem Variantenantrag «Holzbau» zuzustimmen. Da für den Rat beide Varianten genehmigungsfähig sind, verzichtet er bei der Stichfrage auf eine Empfehlung.

Visualisierung des Betonbaus: der Blick auf die Süd- und die Westfassade. Bild: Gemeinde Flawil
Gemeinde Flawil