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Kultur
27.12.2020
29.12.2020 20:14 Uhr

Was steckt hinter den Silvesterbräuchen?

Prosit Neujahr! Auch Tradition: das Anstossen mit Sekt, Champagner oder Prosecco.
Warum sind Feuerwerke Tradition am 31. Dezember? Welche Bräuche gibt es sonst noch? Weshalb heisst der letzte Tag des Jahres überhaupt Silvester?

Nach dem Heiligenkalender der römisch-katholischen Kirche ist dies der Gedenktag des heiligen Papstes Silvester I. Auf Silvester folgt der Neujahrstag.

Herkunft

Das Jahresendfest wurde bereits im Römischen Reich gefeiert, erstmals zu Beginn des Jahres 153 v. Chr., als der Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar verschoben wurde.

Die Sitte, das Jahr nach dem zehnten Monat neu zu beginnen, war römisch. Die Monate für Gaius Julius Caesar – Juli – und Augustus – August – wurden später eingeführt.

Die Feuerfeste am Jahreswechsel gehen auf die Germanen zurück.

Die Assoziation des Jahresendes mit dem Namen Silvester geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals verlegte die Gregorianische Kalenderreform den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember, den Todestag von Silvester I. († 31. Dezember 335). Der Liturgische Kalender führt den Tag seit 813 auch als dessen Namenstag.

Papst Silvester Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

In einigen Gegenden Deutschlands heisst der Tag, quasi als Gegenstück zum folgenden Neujahrstag, auch Altjahr, Altjahrsabend oder «das Alte Jahr», in Österreich (gebietsweise) ebenso wie in Kroatien auch Altjahrstag.

  • In Kroatien ebenso wie in Slowenien als Ausnahme auch Silvestrovo (‚Tag des Silvester‘).
  • Auch im Niederländischen heisst es zumeist «Oudejaarsavond», und nur alternativ auch Silvester.
  • auf Spanisch: Nochevieja (wörtlich: alte Nacht)
  • auf Dänisch, Schwedisch, Portugiesisch spricht man wie im Englischen vom Neujahrs-(vor-)abend: New Year’s Eve, Nytårsaften, Nyårsafton, Véspera de Ano-Novo.

Wo der 31. Dezember Silvester heisst

Der 31. Dezember wird in folgenden Sprachen Silvester genannt:

  • Italienisch: Notte di San Silvestro
  • Französisch: Réveillon de la Saint-Sylvestre
  • Polnisch: Sylwester
  • Tschechisch: Silvestrovské oslavy
  • Deutsch: Silvester

Jahreswechsel und Geografie

Der Jahreswechsel beginnt am 1. Januar um 00:00 Uhr an der Datumsgrenze, die von Nord nach Süd durch den Pazifischen Ozean in der Nähe des 180. Längengrades verläuft.

Gemäss Ortszeit würde jede Zeit Sekunde nach Westen der Jahreswechsel eintreten, faktisch sind aber alle Orte der Erde einer Zeitzone zugeordnet.

Das gilt nur für die Pole (Nord- und Südpol) nicht, da sie keiner Zeitzone zugeordnet werden können. Im Prinzip beginnt dort das neue Jahr wie an der Datumsgrenze.

Line Islands/Kiribati - Jahreswechsel 31. Dezember 11.00 Uhr

Aufgrund der seit 1995 bestehenden Zugehörigkeit des Caroline-Atolls (Line Islands/Kiribati) findet dort der Jahreswechsel zuerst statt, nämlich bereits am 31. Dezember um 11:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Danach durchläuft der Jahreswechsel im Stundentakt alle 24 Zeitzonen. Die Howlandinsel im Pazifik, kurz vor der Datumgrenze, ist das Territorium, welches der Jahreswechsel zuletzt erreicht, und das, obwohl die Howlandinsel westlich von Kiribati liegt.

Zeitzonenkarte Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Feier und Brauchtum

Im deutschsprachigen Raum wird am Silvestertag mit einem Guten Rutsch gegrüßt. Der Silvesterabend wird häufig in Gesellschaft begangen.

Der Jahreswechsel um Mitternacht wird mit Feuerwerk, Böllern und Glockengeläut gefeiert. Das Feuerwerk sollte im vorchristlich-animistischen Glauben früher «böse Geister» vertreiben, drückt aber heute auch Vorfreude auf das neue Jahr aus.

Bei privaten Silvesterfeiern sind Bleigießen sowie das Öffnen einer Flasche Sekt zum Jahreswechsel weit verbreitet. Die Kirchen bieten nächtliche Gottesdienste an.

Traditionelles Feuerwerk Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung
Die «Wüeschte» Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Eindrücklichster Winterbrauch

Im Schweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden halten am 31. Dezember und am 13. Januar (Alter Silvester) die Silvesterchläuse Einzug.

Das Silvesterchlausen ist der wohl eindrücklichste Winterbrauch im Appenzellerland. Die Chläuse werden durch drei Arten unterschieden:

  • die «Wüeschte»
  • die «Schöne»
  • die «Schöwüeschte» oder Naturchläuse.

Sie treten fast ausschließlich in «Schuppel» (Gruppen) auf. Schon in der ersten Morgendämmerung des Silvestertages sind viele der Chlausschuppel unterwegs in der nahen Umgebung der Gemeinden, um bei Freunden zu «chlausen» und zu «zauren». Es ist eindrücklich, wenn die Chlausengruppen in die Dörfer ziehen. Meist hört man sie mit ihren Schellen schon von Weitem.

Urnäscher Silvesterchläuse Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Die Silvesterläufe

Bei den sogenannten Silvesterläufen nehmen tausende von Menschen, oft für einen Spendenobolus, an Volksläufen teil.

Der weltweit größte Silvesterlauf San Silvestre Vallecana findet mit über 20.000 Teilnehmern in der spanischen Hauptstadt Madrid statt, während der größte deutsche Lauf, der Silvesterlauf von Werl nach Soest, auf einem 15 km langen Teilstück der Bundesstraße 1 ausgetragen wird. Hier beteiligen sich seit fast 25 Jahren über 7'900 Läufer aller Altersklassen für eine gemeinnützige Sache.

Der Corrida Internacional de São Silvestre, der älteste und zweitgrößte Lauf dieser Art weltweit, startet alljährlich in der brasilianischen Stadt São Paulo mit 13'000 Teilnehmern.

Traditionelle Silvesterläufe (Symbolbild) Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Der Weihnachtsfestkreis endet nach Silvester

Das Kirchenjahr endet nicht zu Silvester, sondern vor dem Vesper am Vorabend des 1. Adventssonntags.

Der Weihnachtsfestkreis endet nach Silvester erst mit der Woche zum «letzten Sonntag nach Epiphanias» (Epiphanias ist am 6. Januar).

Silvester ist ursprünglich ein Heiligen-Gedenktag an Papst Silvester und kein kirchlicher Feiertag zum Jahreswechsel. Dennoch wird Silvester als Jahresschluss vielerorts auch kirchlich begangen, denn: «Es ist unwiderruflich, dass Anfang und Ende des bürgerlichen Jahres auch auf die Kirchengemeinde größeren Eindruck machen als die des Kirchenjahres.» (J. Smend).

Das alte Jahr ausläuten, das neue Jahr einläuten (Symbolbild) Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Silvestergottesdienste und Jahresschlussandachten am Nachmittag, am Abend oder in der Nacht geben Raum für die Thematisierung von Vergänglichkeit und Neuanfang, Wunsch, Dank und Bitte, häufig sind sie musikalisch oder meditativ gestaltet.

Silvesterchlaus auf der Schwägalp Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung

Böse Geister vertreiben

Im Zürcher Oberland wird neben dem neuen Silvester am 31. Dezember der alte Silvester des julianischen Kalenders am 11. Januar oder am 13. Januar (St. Hilarius) gefeiert. Die Bauern schlagen während des Geläutes der Kirchenglocken auf Bretter und dreschen so das alte Jahr aus. Im bernischen Städtchen Laupen findet jeweils am Silvesterabend das «Achetringele» statt. Die «bösen Geister» des alten Jahres werden dabei mit einem Umzug aus dem Ort vertrieben.

Eine breite Übersicht besonders über die älteren Silvester- und Neujahrsbräuche in der Deutschschweiz findet sich im Schweizerischen Idiotikon.

Winter im Zürcher Oberland mit seinen Bräuchen Bild: toggenburg24/Web/freie Nutzung
Patricia Rutz/Uzwil24