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Wirtschaft
12.12.2020
14.12.2020 09:00 Uhr

Aktienbörsen: Nur leicht höher in die Feiertage

Christopher Chandiramani: «Viele Aktienkurse stagnierten. Indexschwergewichte im Bereich Industrie wirkten eher stützend. Finanzwerte korrigierten etwas stärker.»
Verunsicherte Anleger, steigende Fallzahlen. Corona-Massnahmen werden verschärft: Restaurants und Läden sind verkürzt offen, Weihnachtsfeiern und Ski-Fahren eingeschränkt. Schwierig, sich daran zu gewöhnen.

Die Corona-Krankheit ist nicht besiegt.

In einigen unserer Nachbarländer spricht man wieder von Rekordwerten und verhängt Teil-Lockdowns. Grossbritannien startete mit ersten Impfungen. In Österreich, aber auch in Graubünden, haben erste Massentest begonnen – insgesamt ein Versuch, die Wintersaison zu retten.

Swissmedic will die Corona-Impfstoffe beschleunigt und mit mehr Personal zulassen, will aber keine Notzulassungen bewilligen und warnt vor zu viel Euphorie.

Das globale Umfeld bleibt kompliziert. Die «Brexit-Scheidungsgespräche» sind immer noch im Gang. UK-Ministerpräsident Boris Johnson und EU-Kommissarin Ursula von der Leyen haben sich in Brüssel zu Gesprächen getroffen, sich aber nicht einigen können.

Einige US-Bundesstaaten verklagen Facebook wegen Kartellrechtsverletzung und wollen die Abspaltung von Instagram, WhatsApp usw.

Angesichts der wirtschaftlichen Folgen durch die Pandemie hat die Europäische Zentralbank EZB ihre geldpolitischen Instrumente leicht angepasst. Zwar wurde der Basis-Zinssatz unverändert belassen, aber zusätzlich beschlossen, den Umfang des Pandemie-Notfallprogramms (Anleihenkäufe) um 500 Mrd. EUR auf insgesamt 1’850 Mrd. EUR aufzustocken.

Wegen der Corona-Pandemie ist der Ausstoss von CO₂ aus Verkehr, Wärmeerzeugung und Flugverkehr weltweit um sieben (USA sogar zehn) Prozent im Vergleich zu 2019 zurückgegangen.

Aktuelle Unternehmungsmeldungen

In der Berichtswoche stagnierten viele Aktienkurse. Dabei wirkten Indexschwergewichte im Industriebereich eher stützend. Finanzwerte korrigierten etwas stärker.

Überraschend erfolgreich war eine Aktienemission in den USA. Der Wohnungsvermittler Airbnb, der auch in der Schweiz aktiv ist, hat sich beim Börsengang mehr als verdoppelt. Die Aktie eröffnete den Handel mit 146 USD bei einem Ausgabepreis von 68 USD. Die Kapitalisierung von Airbnb überschreitet somit die Marke von 100 Milliarden Dollar, erwirtschaftet aber noch keine Gewinne.

Roche präsentierte verschiedene neue Medikamente, speziell im Bereich Onkologie (Krebs, Leukämie).

Die Zurich-Versicherungsgruppe kauft in den USA dem US-Konkurrenten MetLife (Sach- und Unfallversicherungen) ab und führt das Geschäft mit jenem des US-Partners Farmers zusammen. Das bedeutet einen deutlichen Wachstumssprung für Farmers. Die Kosten der Akquisition werden auf rund 4 Mrd. USD angegeben.

Der neue Chef der UBS, Ralph Hamers, ist im Visier der niederländischen Justiz. Diese nimmt einen vor zwei Jahren mit einem Vergleich beigelegten Geldwäsche-Fall wieder auf, während Hamers CEO von ING war. Die UBS hat aber ihrem neuen Chef das Vertrauen bekundet.

Arbonia rechnet für 2020 mit steigenden Margen und überproportionalem Gewinnplus.

Vetropack übernimmt eine Glasfabrik in Moldawien. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Aussichten

Die aktuell Wirtschafslage ist momentan äusserst kritisch. Das Weihnachtgeschäft könnte durch weitere Vorschriften gebremst werden. Viele Kleinbetriebe sind existenzgefährdet.

Trotz Korrektur in den letzten Tagen sind die Aktienbörsen eher positiv gestimmt. Präsidentenwechsel in USA im Januar, tiefe Zinsen, grosszügige Staatshilfen der Regierungen wegen Lockdowns. Ein absehbares Ende der Pandemie nährt zusätzlich den Optimismus. Die hohen Erwartungen müssen aber erfüllt werden.

In Asien, vor allem in Japan und China war die Corona-Krise schneller vorbei als in Europa. Dort ist die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs. Das WEF findet im kommenden Jahr in Singapur statt anstatt auf dem Bürgenstock wie ursprünglich geplant.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Uzwil24