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Wirtschaft
11.12.2020
12.12.2020 19:23 Uhr

Corona-Massnahmen: Führt Irrweg am Ziel vorbei?

Die Schweiz scheint immer mehr auf einem Corona-Massnahmen-Irrweg. Statt alle Menschen zu knechten, müssten vor allem die Risiko-Gruppen geschützt werden. Die BAG-Fakten sprechen für sich.

Vorneweg: Es geht in diesem Bericht nicht darum, die Gefahr von Covid-19 wegzuschreiben. Es geht darum, die Corona-Gegenstrategien zu hinterfragen. Und das anhand von Fakten. Und es vor allem darum aufzuzeigen, dass es auch andere Wege gäbe, die Pandemie einzudämmen, statt die ganze Bevölkerung (noch mehr) unter psychischen und finanziellen Druck zu setzen.

Wer wird infiziert, wird hospitalisiert, stirbt?

Wir befinden uns unbestrittenermassen in der zweiten Corona-Welle, die sich viele Boulevard-Medien förmlich herbeigewünscht haben. Dabei ist klar: Der stete Trommelwirbel in Zeitungen und TV um Corona lenkt von den Fakten ab. Diesen möchten wir uns in diesem Artikel widmen und untermauern unsere Thesen am Ende des Berichts mit folgenden drei Tabellen: Wer steckt sich mit dem Virus an? Wer wird hospitalisiert? Wer stirbt an Corona?

Dramatischer Anstieg bei 70 plus

Ende September 2020 waren die wöchentlichen Ansteckungszahlen über alle Altersgruppen gering und fast ausgeglichen (siehe unten, Tabelle 1). Am meisten betroffen von den Neuinfektionen waren die 20- bis 29-Jährigen mit etwas über 70 Personen pro Woche. Bei den über 60-, den über 70- und den über 80-Jährigen bewegten sich die Infektionen auf der Ebene von rund 30 Personen.

Im November dann schnellten die Ansteckungszahlen in allen Altersgruppen nach oben. Am dramatischsten stiegen die Ansteckungen bei der Altersgruppe 80 plus. Von 31 Ansteckungen Ende September auf 715 anfangs November. Und das, innerhalb eines Monats!

60 plus belegt fast 80 Prozent der Spitalbetten

Kommen wir zur nächsten Betrachtung: «Wer wird hospitalisiert wegen Covid-19?» (siehe Tabelle 2). Daraus geht hervor, dass von den knapp 15'000 Hospitalisierungen seit Corona-Beginn 25.6 Prozent auf die über 70- bis 79-Jährigen fielen. Und gut 33 Prozent betrafen die über 80-Jährigen. Nimmt man noch die 60- bis 69-Jährigen dazu, belegte die Altersgruppe 60 plus fast 80 Prozent der Covid bedingten Spitalbetten.

Erhöhte Sterblichkeit ab 70

Eine noch deutlichere Sprache sprechen die Sterblichkeits-Zahlen (Tabelle 3). Wobei bei der Sterblichkeit generell der Hinweis vonnöten ist, dass diese Zahlen ohnehin mit Vorsicht zu betrachten sind. Denn bei Menschen, die in den offiziellen Statistiken als an Covid-19 gestorben ausgewiesen werden, waren fast durchwegs Vorerkrankungen mit im Spiel. In den publizierten Zahlen aber erscheint dies nicht. Es wird nur von Covid-19 als Todesursache gesprochen, was im Grundsatz eine mangelhafte bis irreführende Information ist.

Fakt ist – und immer, wie erwähnt, ohne Angabe der Vorerkrankungen: 92 Prozent der Todesopfer durch Covid-19 sind Menschen der Altersklasse 70+. Nur 2% gehören der Altersklasse jünger als 60 an.

Oder andersrum: Bei den über 80-Jährigen beträgt die Fallsterblichkeit an Covid-19 knapp 15 Prozent. Bei den über 70-Jährigen sind es knapp 5 Prozent. Bei den über 60-Jährigen sinkt sie rapide ab auf unter 1 Prozent. Und bei den noch jüngeren Menschen unter 50 tendiert die Fallsterblichkeit bis gegen Null.

Die Spitäler füllen sich mit alten Menschen

Selbstverständlich: Alte Menschen sind genauso wertvoll wie junge Menschen. Und sie haben als die Schwächeren in der Gesellschaft unseren besonderen Schutz verdient. Um sie zu schützen gibt es Möglichkeiten – wir kommen darauf zurück.

Ein Faktum aber ist unumstösslich: Die Auslastung der Spitäler und die aktuell hohe Sterblichkeit von Covid-19 wird vorwiegend durch Patienten aus der Altersgruppe 70 plus verursacht.

Patienten, die jünger als 60 Jahre sind, werden selten hospitalisiert und versterben noch viel seltener an Covid-19. Und wenn, dann fast immer im Zusammenhang mit Vorerkrankungen, die sich ab 60 Jahren zu häufen beginnen.

«Alibi-Massnahmen»

Die vom Bundesrat neu geplanten Schutzmassnahmen, aufgrund derer das ganze Volk unter die Knute genommen wird, sind meist kontraproduktiv. Sie überzeugen bei der Covid-19-Bekämpfung nicht:

Beizenschluss um 19 Uhr, Verbieten von Sonntagsverkauf, Eindämmen von Besucherzahlen in Läden, Privattreffen mit höchstens 5 Personen aus max. 2 Haushalten usw.: Was bringt es der Pandemie-Gegenwehr, wenn um 19 Uhr Lichterlöschen ist. Oder wenn die Menschen in kürzeren Zeiträumen durch die Läden gezwängt werden. Oder sich Schlangen vor Läden oder Skiliften oder geschlossenen Freizeitbeizen bilden? Oder Jugendliche und generell immer mehr Menschen aus Frust Privat-Partys und Familientreffen organisieren, oder in ihren Wohnungen verkümmern und sich Unfrieden und Unmut ausbreitet?

Die geplanten Einschränkungen sind nichts anderes als ein sozialer Lockdown, der die Menschen noch mehr unter psychischen Stress setzt und der Ansteckungsgefahr durch ein geschwächtes Immunsystem nur weitere neue Angriffsflächen anbietet.

Risiko-Gruppen schützen!

Um Spitäler zu entlasten und Todeszahlen zu senken, müssen die Massnahmen dort umgesetzt werden, wo das Risiko für schwere Erkrankungen am grössten ist. Es bringt nichts, das ganze Volk in Covid-Angst und Covid-Panik zu versetzen, wenn das Problem bei der Generation 70+ liegt, die sich in erster Linie selbst bestmöglich schützen muss und zweitens durch den Staat besser geschützt werden muss.

Den ganzen Sommer über hatte die Schweizer Regierung, ihre Experten und ihre Taskforces Zeit, die erste Covid-19-Welle zu analysieren und daraus geeignete Massnahmen abzuleiten. Das aber geschah nicht, wie man den Eindruck erhält. Statt sinnvolle Schutzkonzepte für Alte, Pflegeheime und generell für Risikopatienten vorzulegen, faltete der Bundesrat die Hände. Und nun, wo die Auslastung der Spitäler, vor allem wegen der älteren Mitmenschen ansteigt, macht er auf Panik und will Freiheiten in Masse einschränken.

Das Beispiel Tübingen

Es ginge auch anders: Die Stadt Tübingen in Baden-Württemberg zeigt, wie ein sinnvolles Schutzkonzept für die älteren Menschen funktioniert. Die dortigen Politiker haben aus der ersten Covid-19-Welle gelernt und schützen gezielt die Senioren mit folgenden Massnahmen und folgendem Resultat:

Regelmässige Tests, klar definierte Einkaufszeiten für die Senioren, gratis Rufbus für Besorgungen, rigorose Tests für Besucher, Gratis-Abgabe von zertifizierten FFP2-Masken für Senioren (werden auch in Drogerien gratis abgegeben) und weitere Massnahmen.

Dabei darf Tübingen feststellen: Der Erfolg des Schutzkonzeptes wird von den älteren Menschen akzeptiert und umgesetzt.

  • In Tübingen gibt es bei den über 75-Jährigen aktuell keine Corona-Fälle.
  • In Tübingen gibt es bei einer Bevölkerung von 89'000 Personen insgesamt neun Altersheime. Seit letzten Mai gab es in diesen «nicht einen einzigen Corona-Fall», wie der Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) gegenüber den Medien ausgeführt hat

Den Irrweg stoppen

Mit geeigneten und zielgerichteten Schutzkonzepten könnte viel mehr zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie erreicht werden als mit pauschalen «Alibi»-Massnahmen. Der Bundesrat wäre seiner Verantwortung entsprechend verpflichtet, in seiner Covid-19-Strategie faktenbezogen vorzugehen, anstatt mit Panik-Reaktionen die Wirtschaft und die Moral der Menschen an die Wand zu fahren.

Die drohende Armut, Job-Verlust und psychischer Druck sind genauso zu gewichten, wie das Risiko, an Corona zu erkranken. Denn praktisch alle Menschen mit einer einigermassen intakten Gesundheit überleben die Krankheit schadlos und sind danach – wie neuste Studien zeigen – über längere Zeit Covid-19 immun.

 

Tabelle 2: Hospitalisierung

Aufgrund einer Covid-19-Erkrankung gemeldete hospitalisierte Personen nach Altersklasse in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein seit dem 24.02.2020

Altersklasse Total Hospitali-
sationen
In
Prozent
0 - 9 121 0.8
10 - 19 97 0.7
20 - 29 290 1.9
30 - 39 411 2.8
40 - 49 807 5.4
50 - 59 1791 12.0
60 - 69 2616 17.6
70 - 79 3807 25.6
80+ 4945 33.2
Unbekannt* 1 0.0
Total 14886 100.0

Quelle: BAG; Daten des Coronavirus Situationsbericht, Stand 8. Dezember 2020, 08:00 Uhr

Tabelle 3: Sterblichkeit

Aufgrund einer Covid-19-Erkrankung gemeldete Todesfälle in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein seit dem 24.02.2020. Aufgeführt nach Altersgruppen

Alters-Klasse Total Anzahl Fälle Total
Todes-
fälle
in % Fall-
sterblich-
keit %
0 - 9 3208 1 0.0 0.03
10 - 19 29373 0 0.0 0.00
20 - 29 64419 0 0.0 0.00
30 - 39 61089 7 0.1 0.01
40 - 49 57277 14 0.3 0.02
50 - 59 60368 80 1.6 0.13
60 - 69 34284 306 6.0 0.89
70 - 79 22848 1046 20.4 4.58
80+ 25597 3662 71.6 14.31
Unbekannt* 105 0    
Total 358568 5116 100.0  

Quelle: BAG; Daten des Coronavirus Situationsbericht, Stand 8. Dezember 2020, 08:00 Uhr

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