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Wirtschaft
07.12.2020

OST-App simuliert künftige Stromversorgungsszenarien

Screenshot einer Beispielberechnung: BFE Zero Basis 2050.
Mit der neuen Online-App «PowerCheck» der OST kann nun jede/r auf der Grundlage echter Daten die Stromversorgung des ganzen Landes virtuell umbauen und verschiedene Szenarien vergleichen.

2017 hat die Bevölkerung das Energiegesetz und damit einen Teil der Energiestrategie 2050 verabschiedet. Letzte Woche präsentierte GLP-Chef Jürg Grossen seine «Roadmap Grossen» für die künftige Energieversorgung der Schweiz und das BFE Bundesamt für Energie hat eine Studie zur Energiestrategie 2050 veröffentlicht. Der Bundesrat will in den nächsten Wochen seinen Vorschlag vorstellen.

All das zeigt: Die Diskussion über die Energiezukunft ist hochaktuell.

Prognose: Stromversorgung gewinnt an Bedeutung

Die neue Online-App Powercheck.ch der OST will es nun allen ermöglichen, basierend auf echten Daten der Schweizer Stromversorgung, unsere Stromzukunft mitzudiskutieren und zu planen.

Die Stromversorgung ist mit heute rund 25 Prozent am Gesamtenergieverbrauch (exkl. z.B. Heizung, Mobilität – v.a. gedeckt durch fossile Brennstoffe) zwar nur ein Teilbereich, aber wegen des Atomausstiegs einer, bei dem die Zeit nicht nur mit der Klimabrille betrachtet drängt.

Die Bedeutung von Strom nimmt laufend zu. Der Powercheck-Projektleiter Boris Meier vom IET Institut für Energietechnik der OST geht davon aus, dass «im Zuge der Elektrifizierung beispielsweise bei Fahrzeugen oder in der Gebäudeheizung- und -kühlung bis 2050 der grösste Teil unseres Gesamtenergieverbrauchs elektrisch sein wird.»

Simulieren mit echten, physikalischen Fakten

Voll auf den Solar-Ausbau setzen oder lieber eine vielseitige Mischung aus Solar-, Wasser- und Windkraft? Riesige Batteriespeicher oder mehr Pumpspeicherkraftwerke bauen? Im Winter Strom importieren oder komplett unabhängig selbst versorgen?

Von der einfachen Simulation aus Interesse zu Hause bis zur fundierten Ausarbeitung eines realitätsnahen Strom-Szenarios unter Fachexperten lässt Powercheck.ch den Usern völlig frei, wie sie die Simulationsdaten nutzen möchten.

Jedes Szenario lässt sich speichern und z.B. an Freunde, Kollegen oder interessierte Experten versenden. Auf Powercheck.ch lassen sich so mehrere Szenarien gegenüberstellen und vergleichen.

App als Beitrag zur Versachlichung der Debatte

Mit der App will das Forschungsteam des IET Instituts für Energietechnik der OST einen Beitrag zur Versachlichung der teils emotional geführten Energiestrategie-Debatte in der Schweiz leisten. «Jeder kann mit unserer App simulieren, welcher Energiemix aus Produktion, Verbrauch und Speicherung welche Konsequenzen hätte», sagt Projektmitarbeiter Silvan Schmid.

Denn an den physikalischen Fakten hinter dem Strommarkt ändert kein Argument etwas: Produktion und Verbrauch müssen zu jedem Zeitpunkt im Jahr ausgeglichen sein und die Speicherung von Überschüssen aus einem möglicherweise massiven Ausbau der erneuerbaren Energien ist eine derzeit noch ungelöste Frage und würde einen Ausbau der Speicherkapazitäten erfordern.

Solche Zusammenhänge bildet Powercheck.ch in übersichtlichen Tabellen und Grafiken ab.

Die App ist ausserdem mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Mit insgesamt mehr als 35000 Datenwerten pro Jahr sowie pro Energiequelle und Verbraucher im Hintergrund ist der Powercheck.ch die derzeit wohl detaillierteste, öffentlich verfügbare und kostenfreie Simulation der Schweizer Stromversorgung.

Unter anderem sind die echten Wetterdaten des Bundesamtes für Meteorologie ebenso hinterlegt wie die Speicherkapazitäten in Pumpspeicherkraftwerken, die Zuflüsse in die Wasserkraftwerke der Schweiz oder die Gesamtstrahlungsdaten für Solarenergie sowie die Windwerte.

Mit den realen Daten zwischen 2014 bis Ende 2019 können interessierte Experten, Wissenschaftlerinnen, gewählte und Hobby-Energiepolitiker oder auch Skeptiker der Energiewende ihre eigenen Szenarien zusammenstellen und mit dem aktuellen Ist-Zustand der Schweizer Stromversorgung oder mit den Szenarien von anderen Usern vergleichen.

PD, OST – Ostschweizer Fachhochschule