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Sport Regional
02.12.2020
02.12.2020 17:05 Uhr

"Heimlicher Hauptsponsor" sind die Steuerzahlenden

Die Uzwiler zeigen bei ihren Investitionsentscheiden immer wieder ein grosses Herz für den Sport. In diesem Auftrag betreibt die Gemeinde Uzwil überdurchschnittlich attraktive Sporteinrichtungen. Nachfolgend gewährt sie einen detaillierter Einblick in die Kosten und in die Anforderungen an den Betrieb.

(Gemeinde Uzwil) Eishallen sind aufwändig und teuer. Dieser Generalverdacht bestätigt sich beim Blick in die Zahlen der Uzwiler Buchhaltung. Gut 500‘000 Franken Betriebskosten, gut 100‘000 Franken Einnahmen. Oder eben: Ungedeckte Kosten von 400‘000 Franken für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler der Gemeinde. Oft unter dem Radar der Aufmerksamkeit bewegen sich hingegen die Rasensportanlagen. Obwohl: Die Rüti kostet im Betrieb in einem ganz normalen Jahr über 600‘000 Franken, die wenigen Einnahmen vermögen die Nettokosten für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nicht unter 600‘000 Franken im Jahr zu drücken. Eine Million Franken oder fünf Steuerprozente kosten diese beiden Uzwiler Leuchttürme zusammen.
Die Vereine zahlen für die Nutzung praktisch nichts. Die Uzwiler Steuerzahlerinnen und Steuerzahler dürfen für sich in Anspruch nehmen, ebenso matchentscheidender wie heimlicher Hauptsponsor der Vereine zu sein, die auf diesen Anlagen ihren Sport ausüben.  Randnotiz: Eine grosse Zahl von Sportlerinnen und Sportlern aus Nachbargemeinden und der Region nutzen die Anlagen ganz selbstverständlich. Eine finanzielle Abgeltung dafür erhält Uzwil Stand jetzt nirgend wo her. Aktivitäten, das zu ändern, laufen seit mehr als drei Jahren. Sie biegen in die Zielgerade ein. Noch ist es zu früh, darüber etwas zu schreiben.

Eine der grössten Anlagen

Weg vom Geld, hin zum Betrieb, zur Sportanlage Rüti. Entstanden in den 1980er Jahren, in Etappen erweitert. Kunstrasenplatz, direkte Zufahrt, neues Garderobengebäude, Hybrid-Rrasenplätze und ein zweiter Kunstrasenplatz, Hochwasserschutz und Parkplatzerweiterung: Das waren die Schritte zur heutigen Anlage.

Aktuell laufen Sanierungsarbeiten am alten Garderobengebäude. Voraussichtlich 2022 erhält es dann auch eine Photovoltaik-Anlage. Und bald schon dürfte im Areal der Schwingclub seine Schwinghalle realisieren. 2024 schliesslich ist die Sanierung der Rundbahn geplant. Die Rüti ist eine der grössten Sportanlagen der Ostschweiz.

Wembley der Ostschweiz

Platzwart Domenic Stillhart und sein Mitarbeiter Cornel Jud sorgen zusammen mit Zrinka Miljak, Sandra Nützi, Katharina Brehm und Bernadette Metzger von der Reinigungsequipe als Profis vor Ort dafür, dass die Anlage im Schuss ist. Wer sich mit ihnen über die Rüti und ihren Job austauscht, der spürt ihr Herzblut, ihr professionelles Engagement für die Anlage.

Marcel Huber, Bereichsleiter Infrastruktur der Gemeinde meint denn auch: «Sie haben einen hohen Anspruch an die Qualität der Anlage und an ihre Arbeit. Und sie pflegen die Anlage mustergültig und mit viel Hingabe.» Gäste, die auf der Anlage sind und auswärtige Mannschaften, die hin und wieder für Trainings in der Rüti sind, würden regelmässig ebenso über die Anlage selber wie über ihren professionellen Betrieb und Unterhalt staunen. Und in diesem Punkt ist sich die Rüti seit bald 40 Jahren treu. Schon in den 1980er Jahren betitelte die Presse die Anlage als «Wembley der Ostschweiz» – wegen der hohen Qualität des Rasens. Damals wie heute das Ergebnis harter Arbeit.

Lieber auf Rasen

Die Rasenfelder der Rüti sind denn auch die absoluten Favoriten der Fussballerinnen und Fussballer. Sie spielen am liebsten auf natürlichem Untergrund. Das geht nicht immer. Und das ist zuweilen ein natürliches Spannungsfeld mit den Vereinen. Denn: Rasen ist ein gehätscheltes Stück künstliche Natur. Jegliche sportlichen Aktivitäten auf dem Rasen schädigen ihn. Und deshalb ist im Rasensport anerkannter Gradmesser: Mit 15 Nutzungsstunden in der Woche ist ein gut aufgebautes und gut gepflegtes Naturrasenfeld in der Vegetationszeit vollständig ausgelastet. Ist die Nutzung höher, mag die Natur nicht nachwachsen, was durch die Nutzung beschädigt und zuweilen zerstört wird. Ausserhalb der Vegetationszeit sind noch weniger Nutzungsstunden möglich, bei nasser Witterung teils gar keine. Die Rüti verfügt über insgesamt vier konventionelle Naturrasenfelder. Längere
Nutzungsdauern ermöglichen die beiden vor drei Jahren erstellten Hybrid-Rasenplätze. Das sind Naturrasenfelder, die im Wurzelbereich mit Fasern verstärkt sind. Bis 26 Stunden Belastung pro Woche ertragen sie. Und sie sind auch gegenüber Nässe deutlich robuster und entsprechend auch bei schlechtem Wetter meist bespielbar. Sie sind aber deutlich aufwändiger in Pflege und Unterhalt. Mähen, düngen, wässern, striegeln, schleppen, sanden, nachsähen, Löcher stopfen: Das sind die Hauptaufgaben des Rüti-Teams für die Natur- und Hybridrasenfelder.

Gute Zusammenarbeit

Nahezu rund um die Uhr bespielbar wären die beiden Kunstrasenfelder. Unabhängig von Witterung und Temperaturen. Sie ermöglichen damit, dass bei jedem Wetter trainiert und gespielt werden kann. Währrend sich Kunstrasen in der Super League als höchste Schweizer Spielklasse etabliert hat, ist er für die Amateurfussballer in der Rüti oft nicht erste Wahl. Das merkt der Platzwart, wenn er die Naturrasenfelder witterungsbedingt sperrt, wie es zu seiner Aufgabe und Kompetenz gehört. Weil er die Eignerinteressen der Gemeinde und das Ziel, auch morgen und übermorgen über qualitativ hochstehende Felder zu verfügen, höher gewichtet. Nicht immer brandet ihm dann das ungeteilte Verständnis von Spielern und Staff entgegen.

Insgesamt bietet aber die Zusammenarbeit mit den Vereinen wenig Probleme, sie ist von gegenseitigem Respekt geprägt. Besonders hebt das Betriebspersonal der Rüti hervor, die Verantwortlichen der Fussballvereine hätten in Sachen Corona einen super Job gemacht.

Nicht mähen, aber...

Wer meint, Kunstrasenfelder seien unterhaltsarm, der irrt. Natürlich: Mähen fällt weg. Trotzdem. Die Felder müssen gereinigt und von Schmutz befreit werden. Sie müssen wöchentlich aufgelockert und gebürstet werden, neuralgische Stellen wie der Penaltypunkt und Bereiche im Strafraum werden täglich neu verfüllt, die Linien werden regelmässig überprüft. Zweimal im Jahr ist eine Tiefenreinigung angesagt. Ein grosses Augenmerk in der Pflege der Felder wird darauf gerichtet, dass möglichst kein Gummigranulat das Feld verlässt und an unerwünschter Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Das ist mit ein Grund, dass seit der Inbetriebnahme des ersten Uzwiler Kunstrasenfeldes gilt: Es gibt keinen Winterdienst auf diesen Feldern. Weil damit automatisch grosse Mengen Granulat ausgetragen werden. Und deshalb sind die Kunstrasenfelder auch eingezäunt, von der Natur getrennt.

Ein paar Zahlen und Fakten

Das Grundeigentum der Gemeinde in der Rüti umfasst fast 90‘000 Quadratmeter. Auf der Anlage trainieren und spielen etwa 50 Mannschaften beiden Geschlechts. Die Rüti ist während der Saison sieben Tage die Woche in Betrieb. Und sie ist voll ausgelastet. Begrenzender Faktor sind nebst den Regenerationsfähigkeiten des Rasens die 19 Garderoben. Während rund 30 Wochen im Jahr können die Naturrasenfelder genutzt werden, die Kunstrasenfelder sind nur in der Winterpause nicht nutzbar. Etwa 4,5 Tonnen Dünger müssen pro Jahr ausgebracht werden, damit der Rasen den Strapazen des Sports widersteht. Die Hälfte davon ist biologisch. In der Rüti fallen Jahr für Jahr etwa 40 Kubikmeter Laub der Bäume an, dazu etwa 250 Kubikmeter Rasenschnitt. Der Betrieb setzt Mikroorganismen ein, um den Rasen zu stäken. Auch werden Mittel ausgebracht, um die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu erhöhen. Entsprechend weniger muss die Anlage gewässert werden. Ohne geht es aber nicht. Zwischen 1‘500 und 4‘000 Kubikmeter Wasser verbraucht die Anlage jährlich. Das entspricht etwa einmal der gesamten Wasserfüllmenge der Becken der Uzwiler Badi. Auch wenn das Wässern in trockenen Sommern immer wieder in der Kritik steht: Ohne Wässern in den Trockenzeiten funktioniert keine Rasensportanlage. Der Rasen würde absterben, hohe Wiederherstellungskosten wären die Folge.

Winterpause

In der Rüti ruht nun der Betrieb. Die Vereine nutzen im Winter die Sporthallen. Am 18. Januar 2021 startet dann die Rüti wieder, sofern es die Witterung zulässt. Denn: Schneeräumung auf den Sportflächen findet nicht statt. Die Junioren bleiben noch in den Sporthallen, bis der Frühling anklopft. Sie sind ab Februar/März wieder in der Rüti anzutreffen.

Weitere Zahlen

(jg) Die Sportanlage Rüti wird von rund 1000 Menschen im Alter von 5 bis 70 Jahren benutzt (ohne gegnerische Teams, die für Wettkämpfe anreisen). Sie bietet zahlreichen Jugendlichen und Erwachsenen beiden Geschlechts eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und hat einen hohen Wert bezüglich Integration und Prävention.

FC Uzwil: ca. 700 Mitglieder

FC Henau: ca. 200 Mitglieder

LC Uzwil: ca. 50 Mitglieder

EHC Uzwil: ca. 100 Mitglieder (Sommertraining)

Die Sportanlage Rüti in Henau - wie auch die Uzehalle - ist ein Juwel der Gemeinde und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivität von Uzwil als Wohngemeinde und regionales Zentrum.
Gemeinde Uzwil / Kommunikation