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Kultur
12.08.2019
05.11.2020 15:27 Uhr

JOHANN SEBASTIAN BACH UND DIE KOBESENMÜHLE IN NIEDERHELFENSCHWIL

Der Cellist Jonas Kreienbühl und der Schauspieler Helmut Vogel liessen den grossen Meister Johann Sebastian Bach (1685-1750) in Wort und Musik in der Kobesenmühle lebendig werden. Die Mühle ist im 17./18. Jahrhundert erbaut worden, genau in der Zeit, als Bach’s herrliche Werke entstanden sind und er als Thomaskantor in Leipzig wirkte. Cornelia Scherrer vom Stiftungsrat begrüsste die Gäste und gab ihrer grossen Freude über den Besuch der beiden Künstler Ausdruck.

(Vroni Krucker)

Gestatten: «Mein Name ist Johann Sebastian Bach» - so hat sich das musikalische Genie nie vorgestellt, denn über sein Leben, seine Visionen, seine Persönlichkeit hat er kaum etwas verlauten lassen. Da entsteht ein klarer Bezug zum Künstler Wilhelm Lehmann in der Kobesen. Auch er hat nicht viel geredet, aber sehr intensiv gearbeitet und seine Visionen gelebt.

Die Musik Bachs gelebt

Jonas Kreienbühl hat die Gäste an der Matinée in der Kobesenmühle begeistert und in die Bach’schen Kompositionen hineingenommen, fast glaubte man, das Genie selber zu sehen. Was er auf seinem Cello bot war Hohe Schule, exzellent und faszinierend. Er wurde Eins mit der Musik und dem Instrument. Mit scheinbarer Leichtigkeit glitten seine Finger über die Saiten, entlockten dem Instrument herrliche Töne. Die einzigartige Akustik des Raumes trug sie bis in den letzten Winkel, während draussen leise der Kobesenbach plätscherte.  Das Cello hat übrigens während 35 Jahren die Mutter des Musikers gespielt. Er fand damals keines, das ihm passte – Mamma’s war das einzige, und so ist es bis heute geblieben.  Jonas Kreienbühl ist ein viel gereister Musiker, auch bekannt aus Radio und Fernsehen. Zudem ist er Mitglied vom «Trio Fontane», das europaweit unterwegs ist. Ein grosser Erfolg war und ist das Programm «Klassik trifft Folklore» mit dem Hackbrettler Nicolas Senn. Jonas Kreienbühl unterrichtet Violoncello an der Musikschule des Konservatoriums Zürich und ist verheiratet mit der Pianistin Andrea Wiesli.

Bach und Humor – eine Spurensuch

Der in Wien geborene Schauspieler Helmut Vogel hat zahlreiche Engagements an verschiedenen Theatern und ist freischaffender Künstler, Pianist, Theatermusiker, Regisseur und Sänger. Er lebt in Zürich und ist ständiger Gast am «sogar theater».  Spürbar hat er sich intensiv mit dem Leben des Thomaskantors beschäftigt. Was er pointiert zu erzählen wusste, war äusserst spannend, humorvoll, da und dort grotesk oder stimmte auch nachdenklich.  Wenn man beim grossen Meister Bach kaum Humor erkennen kann, wurde man in der Kobesen eines anderen belehrt – sein Humor aber hatte eine spezielle Note und war nicht für jeden sofort erkennbar, Helmut Vogel hat ihn gezeigt. Was man auch erfahren hat: das Leben als Musiker war damals nicht einfach, Missgunst und Neid all gegenwärtig.

Klar, aber undefinierbar

Der Sprecher zitierte diverse Musiker, auch Albert Schweitzer, der ein Buch über Bach geschrieben hat. Darin heisst es: «Bachs Leben steht nur in seinen Tönen, in Lebensfreude und Todesschmerz». Der Schauspieler berichtet vom Orgel-Wettkampf in Dresden, vom Geplänkel mit Louis Marchand, Georg Philipp Telemann und anderen. Karl Friedrich Zelter nannte ihn «Erscheinung Gottes». Für Pablo Casals war Bach Quintessenz aller Musik. Der Philosoph Isaiah Berlin oder wer auch immer soll einmal gesagt haben: «Wenn Engel für Gott spielen, spielen sie Bach, füreinander spielen sie Mozart».  Kleine Anekdote:  Der weltberühmte Violinist Joshua Bell verkleidete sich als Straßenmusiker mit Sammelmütze und geigte in der Washingtoner Metro. Menschen, kamen, gingen vorbei, machten kurzen Halt, gaben einen Obolus usw. Bilanz: In 43 Minuten verdiente er von 1070 Zuhörern 32,17 Dollar.

Erfüllt von herrlicher Musik und viel Neuem über einen der grössten Komponisten aller Zeiten genossen die Gäste nach dem Konzert den wunderschönen Naturgarten.

Uzwil24